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Professor Gerd Langguth,
Parteienforscher an der Universität Bonn, zum Scheitern der
rot-grünen Koalitionsverhandlungen in Berlin.
"Für Wowereit ist die CDU komfortabler"
Überrascht Sie das Aus für Rot-Grün
in Berlin gleich in der ersten Runde?
Gerd
Langguth: Das war nicht unbedingt überraschend. Herr Wowereit
hat stets sehr hart auf den Bau der Autobahn 100 verwiesen. In den
Vorgesprächen ist man zudem sehr freundlich mit der CDU umgegangen.
Wowereit weiß genau, dass eine rot-grüne Mehrheit mit nur einer
Stimme für ihn sehr gefährlich werden könnte. Beim letzten Mal ist
er im ersten Wahlgang als Regierender Bürgermeister durchgefallen
und erst im zweiten gewählt worden. Die Mehrheit mit der CDU ist
weit komfortabler. Allerdings: Große Teile der SPD-Basis sind gegen
eine Koalition mit der CDU. Aber wenn Wowereit dafür kämpft, wird
man einen erfolgreichen Spitzenkandidaten wenige Wochen nach der
Wahl nicht enthaupten können. Es könnte auch sein, dass Wowereit
erreichen will, dass die Grünen zu Kreuze kriechen. Das kann sich
die Ökopartei aber nicht leisten. Sie muss Rückgrat beweisen.
Will der Regierende Bürgermeister und SPD-Politiker vielleicht mit
dem Schwenk zur großen Koalition seine bundespolitischen Ambitionen
stärken?
Langguth:
Das glaube ich nicht. In der Bundespartei ist die Neigung nicht sehr
verbreitet, mit der CDU zu koalieren. Wir erleben aber derzeit eine
Entzauberung der Grünen. Sie haben in Berlin nicht so gut
abgeschnitten wie erwartet. Die Grünen haben sich für die SPD
zuletzt zu einem gefährlichen Gegner entwickelt. Es wäre für die
Sozialdemokraten eine Katastrophe, wenn sie eines Tages nur noch
dritte Kraft hinter den Grünen wären.
In
der Berliner Landespolitik hat man nicht immer nur gute Erfahrungen
mit großen Koalitionen gemacht.
Langguth:
In einer großen Koalition profitieren in der Regel immer der
Regierungschef und die größere Partei. Der Berliner Bankenskandal
ist in den Hintergrund geraten. Die Berliner CDU hat sich weitgehend
erneuert. Von den früheren Verantwortlichen hat niemand mehr eine
herausragende politische Funktion. − Foto:
dpaInterview: Andreas Herholz