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aus: www.zdf.de
(http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/18/0,3672,7555314,00.html), 16. April
2009
"Kohl, Schröder und Merkel sind Machtmenschen"heute.de-Interview: Wie sich Kanzler ihre Macht sichernJeder Mensch braucht Anerkennung. Auch Politiker. Deswegen streben gerade sie nach Macht, sagt Professor Gerd Langguth in seinem neuen Buch über Machtmenschen. Im Gespräch mit heute.de erklärt er Kohls Netzwerk-Taktik, Merkels verstecktes Machtbewusstesein. Und warum Schröders "Basta" nichts brachte.
heute.de: Professor Langguth, warum wollen
Menschen Macht?
Gerd Langguth: Alle Menschen, auch außerhalb der Politik, wollen und brauchen Selbstbestätigung. Im öffentlichen Raum findet das aber vor den Augen aller statt. Der besondere Reiz der politischen Macht liegt in ihrer öffentlichen Wirkung, die zu Ruhm, zu Bedeutung führt. Wer Macht hat, will an ihr so lange wie möglich festhalten. Der Verlust von Macht wird von ihren Inhabern als gleichbedeutend mit sozialem Abstieg angesehen, das Ende der öffentlichen Bedeutung wird als politischer Tod empfunden. heute.de: 16 Jahre lang hatte Helmut Kohl Macht. Warum war er so lang Kanzler? Weil er ein guter Politiker war oder weil er Konkurrenten konsequent weggebissen hat?
Langguth: Er war der erste Bundeskanzler aus
dem Kreis der CDU, der die Bedeutung von Partei und Parteireform
erkannt hat, auch für seinen eigenen Machterhalt. Dazu bildete er
frühzeitig Netzwerke in seiner Partei. Er hat konsequent jede
wirkungsvolle Opposition in seiner eigenen Partei verhindert. Er hat
frühzeitig festgestellt, dass in Deutschland der Parteivorsitz die
Quelle der Macht ist.
heute.de: Gerhard Schröder war sieben Jahre lang
der mächtigste Mann Deutschlands. War sein Machtrezept die
Basta-Mentalität, sein "So wird's gemacht und nicht anders?"
Langguth: Es gehört zum Image von
Machtmenschen als "Tatmenschen", dass sie gelegentlich auf den Tisch
hauen. Was ist aber, wenn das alles nichts bewirkt? "Basta"-Worte sind
nur sinnvoll, wenn ihnen gefolgt wird. Wir leben in einer
Konsensdemokratie. Selbst in einer kleinen Koalition mit den Grünen
bewirkte das "Basta" des Regierungschefs so gut wie nichts. Wenn man
ein Basta nicht durchsetzten kann, macht man sich eher lächerlich.
heute.de: Wie wichtig war Schröders
Selbstdarstellung - das Bild, das er von sich in den Medien verkauft
hat - für seine Machtstellung?
Langguth: Schröders Tingelei in eine Talkshow oder die Mitwirkung in einem Film hat ihm keine Macht gebracht. Da wurde eher das negative Bild von Politikern als Schauspieler verstärkt. Die schönste Selbstdarstellung nutzt nichts, wenn die Unterstützung in den eigenen Reihen bröckelt. In der Außendarstellung schien Schröder meist sehr kämpferisch, manchmal wie ein Haudrauf, aber er konnte auch eigene Parteimitglieder sehr verletzen. Das zahlte sich für ihn nicht aus. Als Schröder seinen Parteivorsitz an den loyalen Müntefering übergab, war das der erste Schritt zur Beendigung seiner Macht. heute.de: Seit 2005 wird Deutschland von einer Frau geführt. Führen Frauen anders?
Langguth: Wahrscheinlich ja.
Wissenschaftlich ist das allerdings schwer nachweisbar. Es gibt zu
wenige Frauen in wirklichen politischen Führungspositionen. Frauen
werden aber in ihrem Auftreten ganz anders wahrgenommen, auch in der
Kleidung. Sie können nicht so ohne weiteres mit der Faust auf den
Tisch hauen, das würde als "unweiblich" wahrgenommen. Frauen führen
nicht kumpelig, vielleicht aber konsequenter.
heute.de: Wie sichert sich Angela Merkel ihren
Machtanspruch innerhalb der CDU? heute.de: Wenn Sie Kohl, Schröder und Merkel miteinander vergleichen? Was haben diese Machtmenschen gemeinsam?
Langguth: Kohl war mehr der Geschichtsdeuter
und Ideologe - inhaltlich nicht immer klar. Schröder war
politisch-inhaltlich eher beliebig. Er zelebrierte seinen sozialen
Aufstieg und wurde im Verlauf seiner Kanzlerschaft immer
unideologischer und pragmatisch. Merkel war nie eine Ideologin, mit
dem späten Kanzler Schröder hat sie aber den Pragmatismus gemein. Wenn
es um den Erhalt ihrer Macht ging, konnten alle drei mit ziemlicher
Härte und Wucht agieren. Alle drei sind Machtmenschen par excellence.
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