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wdr.de, 18. August 2010

Machtkampf in NRW: Armin Laschet contra Norbert Röttgen

"Röttgen geht ein großes Risiko ein"

Auf die CDU warten heiße Tage, denn Bundesumweltminister Röttgen tritt bei der Kandidatur um den Landesvorsitz der NRW-CDU gegen Laschet an. Der Herausforderer könnte das Blatt durchaus noch wenden - meint Politologe Gerd Langguth.

 

WDR.de: Ist das nicht ein schwieriges Fahrwasser, in das sich die CDU mit diesem Zweikampf begibt?

Gerd Langguth: Ja, es ist eine schwierige Auseinandersetzung, aber es ist kein Richtungsstreit. Beide Kandidaten waren ja bis vor Kurzem menschlich wie politisch eng miteinander befreundet, insofern ist es ein Machtkampf zur Person, nicht zur Richtung.

WDR.de: Das heißt, es stecken ähnliche politische Kulturen und Vorstellungen hinter diesen beiden Köpfen?

Langguth: Es werden jetzt wohl Differenzen ausgearbeitet, aber wenn ich mir den Lebensweg von Laschet und Röttgen ansehe, dann sehe ich keine prinzipiellen politischen Unterschiede. Ich sehe eher Gemeinsamkeiten. Sie gehörten beide der berühmten Pizza-Connection an, die zusammen mit grünen Funktionsträgern auch frühzeitig eine Koalition mit den Grünen propagiert haben. Daher glaube ich nicht, dass die beiden mit inhaltlichen Gegensätzen antreten, sondern eher Fragen des Stils thematisiert werden.

WDR.de: Welches Signal geht Ihrer Ansicht nach von der geplanten Mitgliederbefragung aus?

Langguth: Mitgliederbefragungen haben Vor- wie Nachteile. Röttgen ist natürlich deshalb für die Mitgliederbefragung, weil er der Bekanntere von beiden ist. Er erhofft sich so eine größere Unterstützung von der Basis, währenddessen sich Laschet eher der Zuneigung der wichtigen Funktionsträger der nordrhein-westfälischen CDU sicher sein kann. Von acht Bezirksvorsitzenden haben sich ja sechs für Laschet ausgesprochen. Darüber hinaus stehen der Fraktionsvorsitzende und der Generalsekretär hinter Laschet. Eine solche Einigkeit einer Landesspitze habe ich bisher selten während der Oppositionszeit erlebt.

WDR.de: Herr Röttgen geht mit seiner Kandidatur ein sehr großes Risiko ein. Welches Motiv treibt ihn an?

Langguth: In der Tat geht er ein großes Risiko ein. Wenn er verliert, hat er ein Autoritätsproblem in Berlin. Er geht aber dieses Risiko ein, weil er eine eigene unabhängige Autorität haben und nicht von Merkel hinsichtlich seiner Mitgliedschaft im Bundeskabinett völlig abhängig sein will. In dem Moment, in dem er Landesvorsitzender ist, vertritt er ein Drittel der Delegierten des Bundesparteitages. Das ist natürlich schon eine gewichtige Machtposition -auch wenn es um die Frage gehen sollte, wer Angela Merkel als Bundeskanzler nachfolgen könnte.

WDR.de: Sie selbst meinten in einem WDR.de-Interview kürzlich, die Bundesprominenz könnte Röttgen "zum Verhängnis werden". Wie könnte er das Blatt dennoch wenden?

Langguth: Die Chancen für Röttgen sind durchaus vorhanden - insbesondere, wenn es zu einer Mitgliederbefragung kommt. Die nächsten Wochen wird er sich deshalb voll der nordrhein-westfälischen Politik und Düsseldorf widmen.

WDR.de: Ist die Partei in Nordrhein-Westfalen denn überhaupt gut aufgestellt mit diesen beiden Vertretern der modernen Großstadt-CDU?

Langguth: Ein neuer Landesvorsitzender wird auf jeden Fall dafür sorgen müssen, dass die gesamte Breite der CDU personell zum Ausdruck kommt - was übrigens Laschet schon allein dadurch tut, dass er Herrn Laumann, der den sozial-katholischen Flügel vertritt, und Krautscheid, der eine eher konservativere Position hat, hinter sich weiß. Es ist aber eine schwierige Aufgabe, die auf beide wartet.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.