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aus: wdr.de. 6. August 2010Interview mit dem Politologen Gerd Langguth"Laschet hat große Chancen"Als erster CDU-Politiker hat Armin Laschet seine Kandidatur um den Landesvorsitz bekanntgegeben. WDR.de sprach am Freitag (06.08.10) mit dem Politologen Gerd Langguth über die Aussichten, dieses Amt zu erhalten.
WDR.de: Wie bewerten Sie den Rückhalt des Landesvorstands für die Kandidatur Armin Laschets für den Landesvorsitz? Schließlich galt Andreas Krautscheid ebenfalls als aussichtsreicher Kandidat für diesen Posten. Gerd Langguth: Andreas Krautscheid hätte sicherlich auch Chancen gehabt. Aber nachdem Armin Laschet auch für den Fraktionsvorsitz kandidiert hatte und dort ein ziemlich gutes Ergebnis erzielt hat, war klar, dass er den Hut für den Landesvorsitz in den Ring werfen muss. Da zwischen Laschet und Krautscheid ein gutes Verhältnis besteht, kann das auch gut funktionieren. WDR.de: Während das Verhältnis von Krautscheid zum potenziellen zweiten Kandidaten, Bundesumweltminister Norbert Röttgen, als nicht so gut gilt. Langguth: Da gab es in der Vergangenheit Verwerfungen, weil beide in ihrem Bezirksverband gegeneinander angetreten sind. Aber es geht neben den persönlichen Befindlichkeiten bei der Kandidatenauswahl auch um die prinzipielle Frage, wie die Union aufgestellt sein soll, damit sie bei der nächsten Landtagswahl wieder den Ministerpräsidenten stellen kann. Und da gibt es zwei unterschiedliche Grundphilosophien: Die eine ist die, dass der Landesvorsitzende auch im Land und im Landtag präsent sein muss - dies vor allem deshalb, weil es theoretisch wegen der schwierigen Mehrheitssituation im Landtag schon zu baldigen Neuwahlen kommen kann. Die andere Philosophie ist, dass das Amt ein bekannter Bundespolitiker von Berlin aus macht. WDR.de: Welcher der beiden Varianten räumen Sie mehr Chancen ein? Langguth: Das ist wirklich schwer zu sagen. Durch die Einigung von Generalsekretär Krautscheid, Laschet und letztlich auch dem Fraktionsvorsitzenden Karl-Josef Laumann auf eine Kandidatur Laschets räume ich dieser Variante derzeit größere Chancen ein. Zweifelsohne ist Röttgen ein sehr begabter Politiker, der sich gut präsentieren kann - und wenn es darauf ankommt, präzise Ziele formulieren kann. Aber er müsste sich auch bereit erklären, bei der nächsten Landtagswahl Spitzenkandidat zu werden. WDR.de: Und das wäre ein Problem? Langguth: Ja, hier sehe ich das größte Problem für Röttgen. Denn er hätte zwar als NRW-Landesvorsitzender im Verhältnis zur Bundeskanzlerin eine große und starke Hausmacht. Er müsste aber letztlich auch sagen, wo er seine Zukunft sieht - im Bund oder im Land. Die Landespartei wird sicher von ihm verlangen, dass er sich bei der nächsten Landtagswahl um ein Landtagsmandat bewerben soll. Das würde bedeuten, dass er seinen Platz im Bundeskabinett abgeben und vielleicht sogar als Oppositionsführer in den Landtag wechseln müsste. Zudem kann es sein, dass ein Berliner Kandidat von der Landespartei mehrheitlich nicht gewünscht wird. WDR.de: Warum sollte sich die Partei gegen einen Bundespolitiker zur Wehr setzen? Langguth: Für Röttgen spricht natürlich, dass er eine Bundesprominenz mitbringt. Aber genau das wird ihm vielleicht genau jetzt zum Verhängnis. Denn es gibt in Nordrhein-Westfalen auch manche, die den Wahlverlust auf die schlechte Performance der Bundesregierung zurückführen. WDR.de: Also hat Laschet die Nase vorn? Langguth: Sich in dieser Frage jetzt schon festzulegen, halte ich für zu früh. Aber es könnte durchaus sein, dass Laschet durch seinen frühen Vorstoß der Bekanntgabe seiner Kandidatur Röttgen dazu bewegen will, erst gar nicht anzutreten. Das setzt Fakten - wer in diesem Fall früh kommt, wird möglicherweise nicht bestraft sondern belohnt. Das Gespräch führte Peter Schneider | |||||||||||||||||||||||||||||