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Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) Essen, 20. März 2009, Kurz-Interview

 

Biograf: "Von Merkel fehlt die große Rede"

Essen. Die Angriffe der SPD auf die Kanzlerin werden schärfer. Wir sprachen mit dem Politikwissenschaftler und Merkel-Biografen Gerd Langguth, Professor an der Universität Bonn.
 

Herr Professor, wie beurteilen Sie als Merkel-Biograf die Angriffe der SPD? Wird der Kanzlerbonus Merkels auf diese Weise eher gestärkt oder geschwächt?

Langguth: Jeder Angriff zielt auf die Schwächung des Kanzlerbonus ab. Dieser wird aber kaum erhalten bleiben, wenn weiterhin derartige Pannen passieren, wie jetzt beim Kompromiss um die Jobcenter.

Tut sich die SPD einen Gefallen mit ihrer Kritik an der Kanzlerin aus der eigenen Koalition?

Langguth: Die immer sichtbarer werdende Uneinigkeit in der Koalition ist weder für Merkel noch für die SPD gut. Sie bringt aber vor allem Unsicherheit in die CDU.

Ist die Kanzlerin nicht zu inkonkret? Oder ist es taktisch klug, sich nicht festzulegen?

Langguth: Merkel hat in der Gesundheitspolitik zunächst versucht, präzise inhaltliche Vorgaben zu machen und daraus gelernt. Auch die Kanzler Kohl und Schröder haben zuerst abgewartet, was in ihren Fraktionen und Ministerien passiert. Ich vermisse aber eine große Rede, in der man die Zukunftsphilosophie der Kanzlerin erspüren kann.

Das Interview führte Martin Tochtrop