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aus: Thüringer Allgemeine, Interview, 28. März 2011

 

„Merkel ist nicht gefährdet"

 

Gerd Langguth (64), Politologe an der Uni Bonn und Merkel-Biograf, sieht die Kanzlerin unbeschädigt. Mit ihm sprach Christian Fröhlich.

Die CDU bricht in ihrem Stammland Baden-Württemberg ein - und die SPD in Rheinland-Pfalz. Wie schätzen Sie dieses Entwicklung ein?

Aus Sicht der CDU ist Rheinland-Pfalz schon ein Erfolg. Julia Klöckner hat als Spitzenkandidatin einen sehr guten Wahlkampf geführt. Das Ergebnis von Stefan Mappus in Baden-Württemberg ist freilich eine enorme Niederlage.

Welche Rolle spielten bundespolitische und sogar weltpolitische Themen wie die Atomfrage oder der Libyen-Krieg für den Wahlausgang?

Vom Gefühl her würde ich sagen, dass in Baden-Württemberg 50 Prozent des Ergebnisses hausgemacht waren und 50 Prozent waren externe Gründe. Dabei traf natürlich das Thema Kernkraft zusammen mit Mappus, der in der CDU die Galionsfigur für die Atomkraft war.

Welche Konsequenzen erwarten Sie für die CDU?

Merkel ist parteiintern wohl nicht gefährdet, obwohl sie sich auf Bundesebene am stärksten für die Atomkraft eingesetzt hat. Aber sie hat freilich alle potenziellen Konkurrenten aus dem Feld geschlagen - es ist schlicht niemand da, der nun aufstehen könnte. Eigentlich hätte perspektivisch Mappus die Chance gehabt, ein Kronprinz zu werden - aber der spielt politisch künftig keine Rolle mehr.

Wie sehen Sie die Situation bei der FDP?

Hier dürften bald eine ganze Reihe von Personalia zur Diskussion stehen. Ich sehe Homburger, Brüderle und auch Westerwelle schwer beschädigt.

Wie wirkt sich die Wahl auf die bundespolitische Parteienlandschaft aus?

Nun, die FDP kämpft jetzt um ihr bundespolitisches Überleben, während sich die Grünen als drittstärkste Kraft etabliert haben. Indes muss auch das Überleben der Linkspartei infrage gestellt werden. Offenbar haben die Linken in den alten Ländern nur dann Chancen, wenn die Wahlbeteiligung niedrig ist - das war gestern in beiden Ländern nicht so.