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Aus: Thüringer Allgemeine, 2. Februar 2011
Politologe Gerd Langguth über Folgen der Guttenberg-Affäre
Mit Langguth sprach Alexander Del Regno. Schlittert die Regierung jetzt in die nächste Krise? Die Bundesregierung insgesamt und die Kanzlerin haben zumindest beträchtlichen Schaden durch diese Affäre genommen. Schließlich wollte Merkel an zu Guttenberg festhalten, weil sie mit ihm den populärsten deutschen Politiker in ihren Reihen hatte. War das ihr größter Fehler? Nein. Ihr größter Fehler war ihre Äußerung, in der sie zwischen dem Wissenschaftler und dem Minister zu Guttenberg differenzierte. Damit hat sie einen großen Teil der Wissenschaft gegen sich aufgebracht. Hätte Merkel ihren Verteidigungsminister also früher entlassen sollen? Das konnte sie aus zwei Gründen nicht. Einerseits wegen des großen Rückhalts, den zu Guttenberg in der Bevölkerung genießt. Andererseits hätte es gegen die politischen Gepflogenheiten in Berlin verstoßen. Die Entlassung hätte schon von der CSU selbst gefordert werden müssen. Stattdessen hat deren Chef Horst Seehofer zu Guttenberg den Rücken gestärkt. Trotzdem dürfte der Fall zu Guttenberg die Kanzlerin noch lange belasten. Merkel wird die Affäre politisch überleben. Allein schon weil sie durch den Rücktritt des Ministers nun auch ein Stück weit von der Kritik der Wissenschaftler entlastet wird. Dafür muss sie nun ihr Kabinett umbilden . . . . . . eine schwierige Aufgabe. Der Nachfolger dürfte schließlich nur aus der CSU kommen und deren Personaldecke ist diesbezüglich dünn. Wer könnte es machen? Aus meiner Sicht kommen drei Männer in Frage: Der jetzige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der Verteidigungs-Staatssekretär Christian Schmidt oder Hans Peter Friedrich, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Wobei Ramsauer aber schon abgewunken hat, wie ich höre. Und was wird aus zu Guttenberg? Nun, er hat ja eine sehr honorige Erklärung abgegeben, die ihm nach einer Auszeit die Rückkehr in die Politik erlaubt. Wie lange könnte diese Auszeit dauern? Mindestens drei Jahre, bis zu den nächsten Bundestagswahlen. Um dann welches Amt anzustreben? Ich denke, zu Guttenberg wird Seehofer als bayrischen Ministerpräsident oder CSU-Chef beerben wollen. Vielleicht will er aber auch Frau Merkel beerben? Dafür wäre es dann doch zu früh. Ein potenzieller Regierungschef in Deutschland wird durch Blessuren profiliert. Wenn zu Guttenberg die Sache ohne Rücktritt durchgestanden hätte, hätte er so etwas wie einen Kanzler-Test hinter sich gebracht. Sie meinen, er hätte diese Krise überleben können? Wenn einer das hätte überleben können, dann er.
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