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Der Tagesspiegel Berlin, 5. Dezember 2005„Es gab keine optimistische Botschaft“Heute diskutiert der CDU-Vorstand über das magere Ergebnis der Union bei der Bundestagswahl. Wie offen wird diese Aussprache sein, Herr Langguth?Das wird ein Drahtseilakt sein. Die Parteiführung wird möglichst schnell zur Tagesordnung übergehen wollen – mit dem Argument, jetzt müsse nach vorne geblickt werden. Im Übrigen hat noch nie eine Partei freiwillig eine konsequente Wahlanalyse betrieben. Das gab es auch nicht beim Übergang von Helmut Kohl zu Wolfgang Schäuble 1998. Seitdem hat sich die Union von ihren schlechten Wahlergebnissen nicht mehr erholt. Welche Fehler hat die Union speziell in diesem Wahlkampf gemacht? Die Wahlkampfführung unterließ es, Angela Merkel den Deutschen bekannt zu machen. Die inhaltlichen Botschaften der Union wurden zudem als ökonomische Verengung wahrgenommen. Viel zu kurz kam die Frage nach Werten und zum Beispiel auch nach der Zukunft von Familie oder des Bildungssystems. Eine optimistische Botschaft fehlte. Die Unionsführung will die Fehlerdebatte heute beenden. Wird ihr das gelingen? Solange Frau Merkel gute Umfragewerte bekommt, wird es keine größere zusätzliche Diskussion in der Partei mehr geben. Das kann sich aber auch schnell wieder ändern. Wichtig wird sein, wie gut die Union bei den kommenden Landtagswahlen abschneidet. Da wird man dann sehen, wie sich die große Koalition auf Wahlergebnisse auswirkt. Kann es die Union auch ohne eine tiefgreifende Fehleranalyse schaffen, in Zukunft wieder über die 40-Prozent-Marke zu kommen? Diese Chancen hat sie dann, wenn Merkel klug regiert. Vielleicht wird man jetzt mehr den Menschen Merkel erkennen können. Wenn aber der schwarz-roten Koalition eine Belebung des Arbeitsmarktes misslingt, werden beide Regierungsparteien mit weiterem Schwund zu rechnen haben. Das würde besonders die Kanzlerin und ihre Partei treffen. Für Angela Merkel war die Zeit seit der Bundestagswahl ein ständiges Auf und Ab. Jetzt steht sie so beliebt da wie nie zuvor. Wie erklären Sie sich das? Ein Kanzler hat eine eigene Aura, die ein Oppositionsführer so nie erreichen kann. Angela Merkel hat auch ihre Antrittsbesuche sehr gut bewältigt. Außerdem verkörpert sie jetzt als Kanzlerin der großen Koalition die Sehnsucht vieler Deutscher nach Harmonie. Angela Merkel ist nicht nur Kanzlerin, sondern auch CDU-Vorsitzende. Wie soll sie diesen Spagat schaffen? Das wird schwierig sein. Sie wird sich aus der Union heraus mit dem Vorwurf einer Sozialdemokratisierung der Bundesregierung auseinander zu setzen haben. Sie muss es also schaffen, christlich-demokratische Identität zu verkörpern – was für sie als spät in der Partei Angekommene nicht ganz einfach ist. Das Gespräch führte Fabian Leber. | |||||||||||||||||||||||||||||