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aus: www.tagesschau.de , 20. September 2005, 17.58 Uhr

Interview mit Politikwissenschaftler

"Ein Traumergebnis für Merkel"

Kanzlerkandidatin Merkel wurde mit starkem Ergebnis als Unions-Fraktionsvorsitzende bestätigt. Der Burgfrieden bei CDU/ CSU könnte allerdings brechen, sollte Merkel nicht Regierungschefin werden - das sagt ihr der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth bei tagesschau.de voraus.


tagesschau.de: Angela Merkel wurde mit großer Mehrheit als Fraktionschefin wiedergewählt. Wie kommentieren Sie das Ergebnis?

Gerd Langguth: Ein Traumergebnis und ein klares Signal an die SPD, dass sich die Union nicht vorschreiben lässt, wen sie ins Rennen für die Kanzlerkandidatur schickt.

tagesschau.de: Wie lange wird dieser Burgfrieden in der Union halten?

Langguth: So lange, wie Frau Merkel die Erfolg versprechende Aussicht hat, Kanzlerin zu werden. Sollte sie jedoch nicht zur Kanzlerin gewählt werden, wird sie sich allerdings warm anziehen müssen. Denn dann würde zu Recht die Frage nach den Fehlern im Wahlkampf gestellt werden. Wenn jemand erst mal ein Amt hat, heißt es immer: Wir müssen nach vorne blicken und wollen nicht Probleme der Vergangenheit thematisieren. tagesschau.de: Wie hoch sind ihre Chancen, Kanzlerin zu werden?

Langguth: Ich glaube, sie stehen bei wenigstens 70 Prozent. Es gibt in Deutschland keine Tradition für Minderheitsregierungen. Es wird jetzt Wochen der Konfusion geben. Wer die besten Nerven hat, wird am Ende gewinnen. Und Angela Merkel hat bewiesen, dass sie gute Nerven besitzt.

tagesschau.de: Wird es eine große Koalition unter Merkels Führung geben?

Langguth: Schwer zu sagen. Es hängt ja nicht von Merkel und der Union alleine ab. Eigentlich kann es sich die Union nicht erlauben, sich vorschreiben zu lassen, wer von ihr in die Regierung geschickt wird. Der Versuch Schröders, bei der Regierungsbildung einen Keil zwischen CDU und CSU zu treiben, dürfte aber nicht gelingen.

tagesschau.de: Wie beschädigt ist Angela Merkel denn nach dem Wahlergebnis vom Sonntag?

Gerd Langguth: Sie ist sicher enttäuscht und muss es auch sein. Sie hat nur einen halben Sieg errungen. Die Antwort auf die Frage hängt zudem davon ab, ob sie Bundeskanzlerin wird. Aber es nagt wohl sehr an ihr, dass sie ein noch schlechteres Ergebnis eingefahren hat als Edmund Stoiber bei den Bundestagswahlen 2002.tagesschau.de: Freuen sich Konkurrenten wie Wulff und Koch über das schlechte Ergebnis - beide sind dadurch wieder im Spiel?

Langguth: Auch Merz ist wieder mit im Spiel. Man kann den Konkurrenten nicht ins Herz schauen. Ich glaube, auch die beiden Ministerpräsidenten hätten sich schon ein gutes Ergebnis für die Union, übrigens auch in ihren eigenen Bundesländern, gewünscht. Andererseits verschafft ihnen dieses Ergebnis für die Zukunft auch einen Vorteil.

Das Interview führte Frank Thadeusz, tagesschau.de