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aus: Südwestpresse, Interview, 2. Dezember 2011
Gabriel wäre der Lieblingsgegner
Forscher: Steinbrücks Vorstoß kommt zu früh
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Steinmeier kann am ehesten Merkel bei der Wahl 2013
schlagen, sagt Parteienforscher Gerd Langguth. Steinmeier habe inzwischen auch
den nötigen Rückhalt in der Partei.
ANDREAS CLASEN
Wird die Frage, wer tritt bei der Bundestagswahl 2013 gegen
Angela Merkel an, den SPD-Delegierten beim Bundesparteitag unter den Nägeln
brennen? Eigentlich liegt die Wahl ja noch in weiter Ferne.
GERD LANGGUTH: Sicherlich wird sie das. Die Frage wird zwar beim Parteitag nicht
offiziell angesprochen werden, weil der Parteivorsitzende Gabriel die Diskussion
auf mindestens Ende nächsten Jahres verschoben hat, aber zwischen den
Delegierten wird sie abseits der Mikrofone intensiv diskutiert werden.
War es von Peer Steinbrück klug, sich so forsch als Kanzlerkandidat in Stellung
zu bringen?
LANGGUTH: Nein. So nicht. Es war zwar richtig, dass er sich zu dieser Frage
frühzeitig erklärt hat. Denn ansonsten hätten ihn die Herren Frank-Walter
Steinmeier und Sigmar Gabriel wahrscheinlich einfach „vergessen“. Aber diesen
Auftritt in der Talksendung Günther Jauch, wo er sich von Altkanzler Helmut
Schmidt zum Kandidaten ausrufen ließ, hätte es nicht gebraucht. Das fanden auch
viele in seiner eigenen Partei überzogen. Und die Gefahr ist stets, wer zu lange
Kandidat ist, der verbrennt.
Wer ist denn der Herzenskandidat der SPD-Mitglieder?
LANGGUTH: Steinbrück nicht, weil er im linken Parteiflügel kaum Anhänger hat.
Gabriel hat in den vergangenen Monaten an Statur gewonnen, aber die
Parteimitglieder wissen, mit ihm wird es schwer, die Wahl zu gewinnen. Ich halte
ihn daher eher für den Herzenskandidaten von Frau Merkel. Ich glaube, dass
Steinmeier inzwischen der Lieblingskandidat der SPD ist, auch wenn er die Agenda
2010 verfasst hat. Er hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren in die
SPD-Herzen hineinzuarbeiten. Und ganz sollte man auch Berlins Regierender
Bürgermeister Klaus Wowereit nicht vergessen. Auch ihn könnten sich viele
Genossen als Kandidat vorstellen.
1994 gab es das Trio, Gerhard Schröder, Lafontaine, Scharping. 1998 das Duo
Lafontaine, Schröder. Vor den Bundestagswahlen traten sie harmonisch auf, danach
knallte es. Wäre beim Steinbrück-Steinmeier-Gabriel-Trio das gleiche zu
erwarten?
LANGGUTH: Ja, ich kann mich auch noch gut an den Satz von Schröder in Richtung
Lafontaine erinnern: „Zwischen uns passt kein Blatt Papier.“ Aber in der Politik
geht es eben allein um Macht. Diese Duos und Trios sind nur das Ergebnis einer
ungelösten Führungsfrage. Ich glaube nicht, dass Herr Gabriel gerne Minister
unter Steinbrück wäre. Und Steinmeier hätte kaum Chancen, wieder Außenminister
zu werden, sollte Rot-Grün 2013 siegen, weil den Posten vermutlich die Grünen
besetzen wollen. Ich kann mir daher vorstellen, dass Gabriel und Steinmeier ein
Bündnis gegen Steinbrück schließen werden.
Ist es überhaupt gut für eine Partei, wenn da gleich mehrere Spitzenkräfte ins
Kanzleramt wollen?
LANGGUTH: Das ist prinzipiell gut. Das zeugt vom Reichtum an fähigen Personen in
der Partei. Es ist nur die Frage, wie die Auseinandersetzung unter den
Kandidaten abläuft, ob die Partei nach außen geschlossen auftritt oder nicht.
Was muss der SPD-Kanzlerkandidat 2013 überhaupt können?
LANGGUTH: Er muss vor allem seine eigene Partei hinter sich bringen können. Er
muss in der Lage sein, zu managen und klare Botschaften gegen eine wieder
antretende Kanzlerin zu setzen, die einen Amtsbonus hat. Und er muss in den
TV-Duellen fachlich überzeugender sein als Angela Merkel.
Wer von den drei SPD-Männern kann Merkel am ehesten schlagen?
LANGGUTH: Auch wenn Steinbrück bis in weite Kreise der Union beliebt ist – aus
meiner Sicht Steinmeier. Er hat zwar in gewissem Sinne den Nachteil, dass er
kein Polarisierer und nicht so wortgewandt wie ein Steinbrück ist. Aber er hat
den Rückhalt in der SPD. Und selbst seine herbe Niederlage bei der
Bundestagswahl 2009 könnte ihm nützen, weil die Leute ihn als Kandidaten bereits
kennen. Schließlich hat auch Willy Brandt mehrere Anläufe gebraucht.
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