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aus: Stuttgarter Zeitung,14. September 2010

„Sehr schnell kontaminiert“

 

Der Parteienforscher Gerd Langguth aus Bonn sieht Wählerpotenzial rechts von der CDU, aber keine neue Partei kommen.

Herr Langguth, Angela Merkel hat die CDU in die Mitte geführt. Der einzig erfolgversprechende Weg?

Dezidiert „rechts“ sehen sich heute nur noch elf Prozent der Bevölkerung, 1961 waren es 38 Prozent und 1993 waren es 26 Prozent. Das heißt: ohne den Modernisierungskurs Merkels wäre die CDU hinsichtlich einer Mehrheitsfähigkeit am Ende.

Bietet sie Konservativen noch eine Heimat?

Nehmen Sie die Themen Bundeswehr, starker Staat, innere Sicherheit, Familienpolitik oder die Vermittlung eines christlich geprägten Menschenbildes – konservative Grundeinschätzungen, die es in der Verdichtung nur in der Union gibt. Andererseits ist Merkel besser darin, Wechselwähler zu   gewinnen als Stammwähler zu halten. Daran entzündet sich der Unmut.

Hat die CDU profilierte Konservative?

Vor Jahrzehnten ist die CDU noch durch eine Fülle von wirklichen Flügelpersönlichkeiten aufgefallen. Doch diese gibt es immer weniger.

Welches Potenzial hätte eine neue rechte Partei – oder ist das eine virtuelle Debatte? 

Es kann sich schnell zu einer virtuellen Debatte entwickeln. Es gibt zwar ein Potenzial rechts von der CDU, aber ich sehe keine charismatische Führungspersönlichkeit, die eine solche konservative Partei auf demokratischer Basis führen könnte. Im Übrigen würde eine solche Partei bei einem schnellen Neuaufbau genügend frustrierte Ehemalige von CDU, SPD und aus dem rechtsradikalen Lager anziehen. Dann wäre sie sehr schnell kontaminiert.

Hat Sarrazin ins Wespennest gestochen?

Ja, er drückt aus, was ein Großteil der Bevölkerung denkt. Aber wäre eine Sarrazin-Partei automatisch eine konservative Partei? Auch Wähler der Linken und der SPD würden eine antiislamische Partei unterstützen. Das wäre nicht tragfähig genug für eine neue konservative Bewegung.

Das Gespräch führte Matthias Schiermeyer.