|
|
Aus: Schwäbische Zeitung, Interview, 16. Dezember 2011
„Zu Guttenberg will in den Bundestag zurück“
Jeder habe ein Recht auf Resozialisierung, und das gelte selbstverständlich auch für Karl-Theodor zu Guttenberg, sagt Professor Gerd Langguth, Parteienforscher an der Universität Bonn. Im Interview mit unserem Korrespondenten Andreas Herholz erklärt Langguth, was Guttenbergs Internet-Engagement in der EU-Kommission für seine Rückkehr in den Politikbetrieb bringt.
SZ: Neuer Job für Karl-Theodor zu Guttenberg. Der CSU-Politiker wird Berater der EU-Kommission, versichert aber, dies sei kein Comeback. Arbeitet er nach seiner Plagiatsaffäre nicht bereits systematisch an seiner Rückkehr in die Politik?
Langguth: Das ist ein weiterer Schritt in der Vorbereitung seines Comebacks. Internetbeauftragter der EU-Kommission ist zwar etwas ehrenhaftes, aber für einen Mann mit dem Hintergrund von zu Guttenberg keine fulminante Position. Dennoch: Für ihn ist es eine sinnvolle Tätigkeit in seiner Zeit der Rekonvaleszenz. Seine Auszeit wird er rechtzeitig zu Beginn des Bundestagswahlkampfes 2013 beenden. Ich rechne fest damit, dass er wieder in den Bundestag zurück will. SZ: Er wird eine Art Internetbeauftragter der EU-Kommission. Die etablierten Parteien haben das Thema Internet bisher vernachlässigt. Ist die Übernahme dieser Aufgabe da nicht ein geschickter Schachzug? Langguth: Mit Ausnahme der Piratenpartei haben alle Parteien das Thema Internet bisher vernachlässigt. Dass sich zu Guttenberg nun ausgerechnet die Netzpolitik als neues Thema auswählt, ist sehr geschickt und könnte sich bald auszahlen. Er versucht, sich für seine Rückkehr für seine Partei noch attraktiver und unentbehrlich zu machen. Auch wenn ihn niemand in seiner eigenen Partei wirklich zurückholen will, so erhöht das doch seine Chancen. SZ: Verfolgt zu Guttenberg eine regelrechte Strategie zur Vorbereitung seiner Rückkehr in die Politik? Langguth: Nein, das glaube ich nicht. Wenn er früher gewusst hätte, dass ihm die EU-Kommission einen Job anbietet, hätte er wohl auf das umstrittene Interviewbuch verzichtet. SZ: Wird zu Guttenberg am Ende für die EU-Kommission wegen seiner Plagiatsaffäre zur Belastung? Langguth: Die EU-Kommission wird noch an der Popularität von Herrn zu Guttenberg zu knabbern haben. Er ist ein sehr beredter Mann, der auch in Brüssel künftig viele Blicke auf sich lenken wird. Er wird versuchen, einiges aus diesem Posten zu machen und daraus neue Legitimität für sein Comeback zu ziehen. Dass er allerdings in den USA bleiben will und dennoch die Aufgabe in Brüssel ausüben will, sehe ich als einen erheblichen Nachteil für eine effiziente Arbeit in der Kommission an. SZ: Zu Guttenberg sieht in der politischen Mitte in Deutschland Potenzial für eine neue Partei. Könnte er dies nutzen? Langguth: Das war wohl eher eine an die CSU gerichtete Drohgebärde. Nach dem Motto: Wenn ihr mir bei meiner Rückkehr im Wege steht, kann ich euch gefährlich werden. Seine Botschaft lautet: Ich kann auch anders, wenn es sein muss. SZ: Für seine Kritik an der CSU und der politischen Klasse insgesamt musste er jede Menge Kritik einstecken. Langguth: Dieser Rundumschlag war töricht und kontraproduktiv. Selbst ihm Wohlgesonnene waren empört, dass sich ein ehemaliger CSU-Generalsekretär so über seine eigene Partei äußert. SZ: Für jeden Straftäter gilt das Gebot der Resozialisierung. Hat zu Guttenberg nicht auch ein Recht auf eine zweite Chance? Langguth: Natürlich hat er das. Er ist eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Politik. Warum sollte für ihn eine Rückkehr in die Politik nicht möglich sein. Die Zeit heilt zwar nicht alle Wunden, aber einige. Sollte er in den nächsten Bundestag zurückkehren, wird er zunächst einmal auch weiterhin mit dem Plagiatsvorwurf konfrontiert werden. Ich bin davon überzeugt, dass er wieder in den Bundestag will. Er hat dafür offenbar auch die Unterstützung in seinem früheren Wahlkreis. Außerdem hat er nach wie vor ein Bürgerbüro in Kulmbach, seiner alten Heimat. Das ist ein eindeutiger Hinweis dafür, dass er es noch einmal wissen und zurückkehren will. Das ist eine Investition in seine politische Zukunft.
| |||||||||||||||||||||||||||||