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aus: Saarbrücker Zeitung, Interview, 4. März 2011
Erst Bußgang, dann Hochamt
Politikwissenschaftler Langguth rechnet mit Guttenbergs Comeback Berlin geht wieder zum Tagesbetrieb über, doch kann die Affäre zu Guttenberg für die Kanzlerin noch ein Nachspiel haben, meint der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth. Nämlich dann, wenn die Landtagswahlen am 27. März für die Union schlecht laufen sollten. Mit Langguth sprach SZ-Korrespondent Werner Kolhoff. Ist die Affäre Guttenberg aus Ihrer Sicht jetzt ausgestanden? Langguth: Nein, denn erst einmal müssen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen Betruges abgeschlossen sein. Außerdem gibt es noch ein Verfahren an der Universität Bayreuth, wo geklärt wird, ob er vorsätzlich getäuscht hat. Erst wenn beides vorbei ist, kann Herr zu Guttenberg mit seinem Bußgang beginnen. Aber für Angela Merkel ist die Sache doch durch die schnelle Neubesetzung der beiden Ministerposten zu Ende? Langguth: Auch nicht. Sie hat zwar schnell gehandelt, aber es rumort noch in der Partei und in der Bevölkerung. Und wenn die Wahlen vor allem in Baden-Württemberg für die CDU schlecht ausgehen sollten, wird man fragen, ob das auch mit dem Guttenberg-Rücktritt zusammenhängt. In der Union glaubt man, dass der Fall gerade noch rechtzeitig geklärt wurde, um genug Abstand zu den Wahlen zu gewinnen. Langguth: Es war eine Minute vor zwölf. In seiner Bedeutung für die Landtagswahlen wird dieser Fall überschätzt. Aber wenn der Urnengang für die Union schlecht ausgeht, kommt er in der innerparteilichen Diskussion trotzdem mit auf die Rechnung. Und dann wird man auch nach Merkels Krisenmanagement in dieser Sache fragen. Die CSU hatte in den letzten Monaten nicht schlecht von zu Guttenbergs Popularität profitiert. Sie hatte ein kleines Umfragehoch. Gerät sie nun mit Seehofer wieder in die Krise? Langguth: Die CSU wird dann wieder normaler, bayerischer. Zu Guttenberg war für sie ein wichtiger Farbtupfer, der auch weit über Bayern hinaus Wirkung hatte. Der fehlt nun natürlich. Die CSU ist geschwächt. So sehr, dass sie jetzt sogar den Anspruch auf das Verteidigungsministerium aufgegeben hat. Dabei wollte sie eigentlich immer ein außenpolitisches Ressort haben. Werden die Eruptionen der letzten zwei Wochen der Opposition nutzen? Langguth: Kaum. Je mehr sie versuchte, zu Guttenberg in die Enge zu treiben, umso mehr solidarisierte sich die breite Bevölkerung mit ihm. Das war für die Opposition ein Dilemma. Rechnen Sie mit einem Comeback Guttenbergs? Langguth: Ja, davon bin ich sogar ziemlich überzeugt. Dabei hilft ihm, dass er bei den Mitgliedern der CSU sehr beliebt ist und bleiben wird. Er wird jetzt erst einen Bußgang absolvieren und dann versuchen, ein Hochamt zu übernehmen. Nämlich eine der beiden Positionen Seehofers, den CSU-Vorsitz oder das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten. Das bringt ihn dann auf die Bundesebene zurück. Auch wenn er von der Universität als Täuscher bezeichnet und von Gerichten als Betrüger verurteilt werden sollte? Langguth: Wenn es einen gibt, dem so etwas von der Bevölkerung vergeben wird, dann Karl-Theodor zu Guttenberg.
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