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Ruhr -Nachrichten, 8. November 2010

 

"Röttgen will Kanzler werden"

 

Drei Fragen an Gerd Langguth

1. Ist Norbert Röttgen der richtige Mann für die NRW-CDU?

Wenn es nicht zu einer Mitgliederbefragung gekommen wäre, wäre vermutlich Armin Laschet gewählt worden, weil viele der Mandatsträger und der Vorstandsmitglieder die Sorge haben, dass die Rückeroberung der Macht nicht über einen vielbeschäftigten Politiker aus Berlin möglich ist, sondern über eine politische Offensive im Landtag – auch der neue Generalsekretär der Partei gehört nicht dem Landesparlament an. Was Röttgen wirklich in der Landespolitik inhaltlich und ganz konkret bewegen will, wurde in seiner Parteitagsrede nicht so richtig klar. Er ist aber ein rhetorisch versierter, intellektuell gestandener und scharfzüngiger Politiker, bei dem sich Frau Kraft warm anziehen muss. Mit Interesse wird zu sehen sein, wie er einen besonders schwierigen Landesverband integriert. Nur wenn ihm letzteres gelingt, ist sein Aufstieg programmiert.

2. 92,5 Prozent der Stimmen ohne Gegenkandidaten – ist das ein gutes Ergebnis?

Ja, angesichts der Tatsache, dass sein Gegenkandidat Laschet bei der Mitgliederbefragung immerhin 45 Prozent erzielt hat, sogar ein sehr gutes Ergebnis. Röttgen erhielt einen Vertrauensvorschuss, den er sich auch durch eine kämpferische Rede erworben hat. 

3. Röttgen hat sich bisher stark auf die Bundespolitik konzentriert. Will er nun wirklich NRW-Ministerpräsident werden oder strebt er nach mehr?

Frau Kraft entscheidet stark über das weitere Schicksal Röttgens, denn sie bestimmt darüber, ob und wann es zu vorgezogenen Wahlen kommt. Angenommen, diese fänden schon im kommenden Jahr statt, fände sich Röttgen in einer misslichen Situation wieder: Er hat seiner Partei versprechen müssen, nicht nur Spitzenkandidat zu werden, sondern auch im Falle der Opposition als Fraktionsvorsitzender in den Landtag zu gehen. Sehr interessiert ist Röttgen daran sicher nicht. Denn er will Bundeskanzler werden. Für ihn dürfte es im Verhältnis zu dem einflussreichen Amt eines Bundesministers ein Rückschritt sein, Oppositionsführer im Landtag zu werden. Selbst das Amt des Ministerpräsidenten könnte sich für ihn als ein langwieriger Umweg erweisen.