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aus: Pforzheimer Zeitung, 11. Mai 2010 Interview von Sven Bernhagen
„Mappus
braucht die Kanzlerin“
Gerd Langguth weiß, wie die Kanzlerin tickt. Schließlich hat der Bonner
Politikwissenschaftler schon eine Biografie über Angela Merkel geschrieben. Nach
der Schlappe von Schwarz-Gelb in Nordrhein-Westfalen ist die CDU-Chefin
verstärkt in die Kritik geraten. Zu Recht? PZ-Redakteur Sven Bern-hagen hat
nachgefragt. Gerd
Langguth: Ich schätze, dass in Nordrhein-Westfalen zu 40 Prozent hausgemachte
Gründe, wie die Sponsoring-Affäre oder die Schulpolitik Schuld sind. 40 Prozent
gehen zurück auf die teilweise schlechte Performance der Bundesregierung. Und 20
Prozent messe ich der Griechenlandkrise zu, für die niemand etwas kann, die aber
das allgemeine Gefühl der Unsicherheit verstärkt hat.
Langguth: Sicherlich gibt es einen Merkel-Faktor. Sie stürzt sich wie wild in
die Arbeit als pragmatische Problemlöserin, aber die Menschen wollen auch die
Ziele erläutert haben. Sie muss mehr die politische Grundrichtung vorgeben. Im
nächsten Jahr sind ebenfalls Wahlen in Rheinland-Pfalz, Berlin,
Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Insofern kann das ein dramatisches
Jahr für Merkel und die CDU werden. Das Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen war
ein Weckruf. Und zumindest FDP-Chef Guido Westerwelle hat am Sonntagabend
gesagt, dass er ihn gehört hat.
Langguth: Nein, Mappus braucht die Kanzlerin. Nur wenn die Union halbwegs
geschlossen ist, wird er im nächsten Jahr die Wahl gewinnen können. Alle
politischen Erfahrungen zeigen, dass ein Ministerpräsident, der sich negativ vom
Bundeskanzler oder von der Bundeskanzlerin abgrenzt, damit seiner eigenen
Position schadet, weil der Wähler nicht zwischen Bundes- und Landespolitik
unterscheidet. Aber eine politische Liebesbeziehung ist es nicht.
Langguth: Ich sehe niemanden.
Es gibt Gegrummel in der Partei, aber die CDU ist generell nicht
gerade putschistisch veranlagt. Merkel darf eben nicht nur Kanzlerin aller
Deutschen sein, sondern muss sich auch gelegentlich auf ihre Rolle als
Parteivorsitzende konzentrieren.
Langguth: Ich sage voraus: Die Koalition wird mit Merkel als Kanzlerin bis zum
Ende der Legislaturperiode durchhalten und Merkel wird auch den Parteivorsitz
nicht niederlegen. Sie hat gelernt, dass in Deutschland die Quelle zur Macht der
Parteivorsitz ist.
Langguth: Es war ja vor allem die Zielsetzung der FDP, die man hier in den
Koalitionsvertrag gegossen hat. Und wenn außergewöhnliche Ereignisse kommen, ist
eine pragmatische Haltung gefordert.
Langguth: Ich glaube, dass der Koalitionsvertrag zu hastig zusammengeschrieben
wurde. Nun rächt sich, dass Themen nicht zu Ende verhandelt wurden. Dazu kommt,
dass die FDP ein Umfallersyndrom hat: Sie will in dieser zentralen Frage nicht
als Umfaller gelten.
Langguth: Ich denke, dass nicht nur Merkel sich eine große Koalition
zurückwünscht. Sie ist mit ihr ganz gut gefahren. Wegen der enormen
Staatsverschuldung ist die Zeit der Schönwetterdemokratie nun endgültig vorbei
und Einsparungen wären mit einem großen Partner leichter durchzusetzen. | |||||||||||||||||||||||||||||