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Passauer Neue Presse vom 24.05.2008
„Schwan wäre eine Art zweite
SPD-Vorsitzende“
Gerd
Langguth, Politikwissenschafts-Professor an der Universität Bonn und
Köhler-Biograf (Foto), befürchtet durch die Kandidaten-Debatte eine Beschädigung
des Bundespräsidentenamts, wie er im PNP-Gespräch sagt.
Horst Köhler will eine zweite Amtszeit, die SPD ist in Zugzwang. Sehen Sie
eine Chance, dass die Sozialdemokraten Köhler unterstützen?
Langguth: Das weiß man in der gegenwärtigen Führungssituation der SPD
nie. Kurt Becks ganzes Verhalten in der Bundespräsidentenfrage zeugt nicht von
hoher Führungskunst. Die Gefahr ist auch, dass das Amt des Bundespräsidenten
darunter leidet.
Aber warum sollte die SPD jetzt
Horst Köhler ihrer Kandidatin vom letzten Mal, Gesine Schwan, vorziehen?
Langguth: Gesine Schwan war im Jahre 2004 eine ausgezeichnete Kandidatin.
Sie hat gezeigt, dass sie den politischen Diskurs beherrscht. Sie ist in die
Offensive gegangen. Sie hat immerhin zwölf Stimmen in der Bundesversammlung aus
dem Potenzial von CDU/CSU und FDP herausgebrochen. Insofern ist es durchaus
folgerichtig, sich Gesine Schwans zu erinnern. Die Gegenargumente muss die SPD
allerdings auch bedenken: Horst Köhler ist außerordentlich beliebt im Volk. Um
ihn abzulösen, müsste es zwangsläufig zu einer Art Koalition in der
Bundesversammlung mit der Partei Die Linke kommen. Damit wäre die Diskussion des
wenige Monate später stattfindenden Bundestagswahlkampfs programmiert. Gesine
Schwan würde auch zu einem nicht zu unterschätzenden Problem für Kurt Beck
werden können. Sie hätte nämlich einen einjährigen Kandidatenstatus. Sie würde
sich in den zwölf Monaten zu allen Fragen der SPD, inklusive der strategischen
Fragen der Bündnispolitik, äußern müssen. In der öffentlichen Wahrnehmung würde
sie so etwas wie eine zweite SPD-Vorsitzende.
Horst Köhler hat keine Angst vor
einer Gegenkandidatur - wäre Wahlkampf um das Amt angemessen?
Langguth: Nein. Köhler würde auch keinen Wahlkampf machen können, falls
es zu einer Gegenkandidatur von Gesine Schwan kommt. Das entspricht nicht dem
Amt. Er darf sich nicht in den Vordergrund stellen, sondern wird seinen
Amtsgeschäften nachgehen. Ich bin fest überzeugt, dass er einer direkten
Konfrontation mit Gesine Schwan - etwa in einer Fernsehdiskussion - aus dem Weg
gehen würde.
Köhler rechnet nicht mit einer
Niederlage. Woher der Optimismus?
Langguth: Vielleicht weiß er mehr darüber, wie die Entscheidung der SPD
ausfällt.
Was kann Köhler in einer zweiten
Amtszeit bewegen?
Langguth: Es ist in der Tat zu fragen, was Köhlers Agenda für die zweite
Amtszeit ist. Die wird sich wohl nicht sehr von der jetzigen unterscheiden:
Hilfe für Afrika und Reformen im Innern. Ansonsten hat sich Bundespräsident
Köhler nicht durch Reden hervorgetan, die in der Bevölkerung auf breiten
Widerhall stießen oder Auslöser langer Diskussionen waren. Es stimmt, er ist
außerordentlich beliebt. Das waren allerdings alle Vorgänger auch.
Das Gespräch führte Christoph
Slangen.
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