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Passauer Neue Presse, 14. September 2009

"Die Gegner haben sich neutralisiert"

 

Das PNP-Interview: Politologe Prof. Gerd Langguth von der Uni Bonn geht davon aus, dass statt Union und SPD eher die kleinen Parteien von dem TV-Duell profitieren werden.

90 Minuten Kräftemessen zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier - wer hat die bessere Figur gemacht?

Gerd Langguth: Es war eine Debatte auf Augenhöhe. Keiner hatte wirklich die Nase vorn. Merkel und Steinmeier haben sich gegenseitig neutralisiert. Ich sehe weder klare Vorteile für Merkel noch für Steinmeier. Allerdings: Der SPD-Kanzlerkandidat war erstaunlich faktensicher, hat seine Chance genutzt.

War es ein Duell, das diesen Namen auch verdient, oder doch nur ein Duett von Kanzlerin und Vizekanzler?

Langguth: Es war ein Duell. An einigen Stellen sind inhaltliche Unterschiede sehr wohl deutlich geworden. Es hat zwar von beiden das erwartete Lob auf die
gemeinsame Arbeit in der Großen Koalition gegeben - zum Beispiel, was das Krisenmanagement der letzten zwölf Monate angeht. Dann kamen schnell
die ersten Spitzen, und gelegentlich auch Angriffe von Steinmeier an die Adresse der Kanzlerin. Merkel hat versucht, die Rolle der Sanften zu spielen und
dabei ihren Amtsbonus zu nutzen.
 

Was war für Sie überraschend?

Langguth: Steinmeier war als Herausforderer stärker als erwartet. Dennoch: Leider sind die machtpolitischen Alternativen, um die es in diesem Wahlkampf geht, nur teilweise klar geworden. Die SPD und ihr Kandidat sind in einer paradoxen Situation: Steinmeier hat kaum Aussichten, ins Kanzleramt einzuziehen. Aber um Schwarz-Gelb zu verhindern und Vizekanzler einer Großen Koalition bleiben zu können, muss er Frau Merkel attackieren.

Wird der Wahlkampf jetzt nochmal richtig spannend?

Langguth: Spannend ist, wie dieses TV-Duell bei den Wählern ankommt. Ich gehe davon aus, dass diese Debatte nicht den beiden Kontrahenten im Studio genutzt hat. Profitieren werden wohl eher die drei kleinen Parteien: FDP, Grüne und Linke. Ich hatte damit gerechnet, dass Steinmeier stärker um potenzielle Linke-Wähler wirbt, und Frau Merkel stärker um Anhänger der Liberalen.

Gibt es nach diesem TV-Duell mehr Klarheit, auf welche Koalition es nach dem 27. September hinausläuft?

Langguth: Es gibt viele Unbekannte: Zum Beispiel die Frage, wer wie viel Überhangmandat erringen wird. Das Rennen ist offen. Das TV-Duell hat in dieser Hinsicht keine neuen Erkenntnisse gebracht. Zwei Formationen sind denkbar: Vielleicht reicht es für Schwarz-Gelb. Wenn nicht, gibt es eine Neuauflage der Großen Koalition mit Merkel und Steinmeier.


Interview: Rasmus Buchsteiner

passauer_neue_presse_duell.htm