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Passauer Neue Presse, 6. August 2010

Drei Fragen an....
 
Professor Gerd Langguth, Parteienforscher an der Uni Bonn, zur gegenwärtigen Situation der CSU.

 

"Die CSU ist ein Hauptstörfaktor"


 In jüngsten, nicht veröffentlichten Umfragen liegt die CSU angeblich unter 40 Prozent. Wo liegen die Ursachen für den Absturz?


 Langguth: Diese Umfragen kenne ich noch nicht, aber wundern würde mich das nicht. Die CSU hat längst nicht mehr die Selbstsicherheit wie in der Vergangenheit. Die Menschen spüren instinktiv, dass auch unter dem neuen Parteichef Horst Seehofer keine echte Beruhigung in die CSU-Politik gekommen ist. Auch in Bayern gehen die Uhren heute nicht mehr anders als im Rest der Republik. Viele Bayern stört zunehmend, dass die Arbeit der Bundesregierung durch permanente CSU-Kakophonie gestört wird - übrigens stört das gerade auch die CSU-Landesgruppe in Berlin, die deshalb mit Minister Söder in heftigen und so öffentlich noch nie wahrnehmbaren Streit geriet. Die CSU ist ein Hauptstörfaktor in der schwarz-gelben Koalition in Berlin. Die ständigen christsozialen Störfeuer und Verbalattacken werden von den Wählerinnen und Wählern in Bayern nicht honoriert. Auch die Bayern wollen Geschlossenheit der Bundesregierung. Die Strategie von Parteichef Seehofer, der FDP das Leben schwer zu machen, um irgendwann in München vielleicht wieder alleine regieren zu können, wird durch seinen Regierungsstil nicht aufgehen. Das Ziel der absoluten Mehrheit ist für die CSU in weite Ferne gerückt.
 
CSU-Spitzen machen vor allem die CDU für das Umfragetief verantwortlich und fordern, das konservative Profil der Union zu stärken.
 
 Langguth: Natürlich ist die Union die Partei, die für Konservative am ehesten wählbar ist. Die Union muss eine Heimat gerade für Konservative bleiben. Wenn die CSU jetzt aber einmal mehr fordert, die Partei müsse ihre konservativen Wurzeln stärken, bringt das allein noch keine Ergebnisse. In der Vergangenheit ist die Union übrigens immer gut damit gefahren, wenn sie sich auch ihrer sozialen und liberalen Wurzeln erinnerte. Wenn diese Grundsätze nicht ebenso gepflegt werden, verliert die Union ihren Charakter als Volkspartei. Das erfolgreiche Rollenspiel von CDU und CSU aus der Vergangenheit, in dem die CSU immer mehr die konservative Klientel angesprochen hat, funktioniert heute nicht mehr. Parteichef Horst Seehofer ist kein Franz Josef Strauß.
 
 „Mir san mir“ und „Laptop und Lederhosen“ - die Erfolgsrezepte der Vergangenheit scheinen nicht mehr zu wirken, oder?
 

 Langguth: Im Zeitalter der Globalisierung lösen sich auch in Bayern - übrigens auch durch erfolgreiche bayerische Politik der Modernisierung - die alten Milieus immer mehr auf. Das monochrom „Bayerische“ ist nicht mehr so klar wie in der Vergangenheit. Große Teile der Wählerinnen und Wähler der CSU sind zudem bereits moderner als Teile der Partei selbst. Die Christsozialen hinken manchen gesellschaftlichen Entwicklungen hinterher.
 

Gespräch: Andreas Herholz