Startseite
Infos zu meinen Lehrveranstaltungen
Universität Bonn
Archiv (bis 2000)
Foreign Languages
Homepage durchsuchen
Veröffentlichungen
Vortragsthemen
Kontakt
Lebenslauf
 

20. September 2011 Passauer Neue Presse

"Es gibt keinen Rösler-Effekt"

Gerd Langguth, Parteienforscher an der Universität Bonn, zieht in der PNP Schlussfolgerungen aus der Berlin-Wahl.

 

Die Piratenpartei sorgt in Berlin für eine Sensation. Auf Anhieb 8,9 Prozent – ist das die Geburtsstunde einer neuen politischen Kraft?

Langguth: Solche neuen Bewegungen können sich in Stadtstaaten wie Berlin sehr viel besser entwickeln. Die Grünen hatten nach ihrer Gründung ihren ersten Wahlerfolg im Stadtstaat Bremen. Dort lässt sich leichter Wahlkampf organisieren und besser mobilisieren. Die Kommunikation über das Internet ist ein wichtiges Element. Die Piratenpartei ist eine Anti-Establishment-Partei. Sie steht auch im Wettbewerb mit den Grünen, die bereits zum politischen Establishment zählen. Ihr Erfolg ist auch Ausdruck der Politikverdrossenheit.

Die FDP stürzt auch bei der Berlin-Wahl ab. Sind die Liberalen noch zu retten?

Langguth: Die FDP ist in einer sehr schwierigen Lage. Sie wird noch lange Zeit benötigen, um sich wieder zu erholen. Es gibt keinen Rösler-Effekt. Niemand weiß, was heute noch die liberale Idee ist. Man weiß nicht mehr, was die Existenzberechtigung der Liberalen noch ausmacht.

Die SPD liegt auch in Berlin vorn. Ist Klaus Wowereit jetzt auch kanzlertauglich?

Langguth: Klaus Wowereit fällt als Kanzlerkandidat aus. Er ist kein strahlender Sieger. Die SPD hat leicht verloren, und Wowereit hat nicht einmal sein Mandat als Mitglied des Abgeordnetenhauses verteidigt. Die CDU hat dazu gewonnen. Die SPD muss jetzt einen Burgfrieden unter den drei möglichen Kanzlerkandidaten Steinbrück, Steinmeier und Gabriel organisieren. Vielleicht ist das bereits geschehen. Am Ende kommt es aber darauf an, wie sich die SPD präsentiert. In Deutschland wählt man vor allem Parteien und weniger Kandidaten.

Interview: Andreas Herholz