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Passauer Neueste Presse, 4. März 2008
"Die CSU-Spitze kann nicht mehr ruhig schlafen"
Politikwissenschaftler Langguth sieht Abwärtstrend der
Christsozialen" - "Stammwähler nicht mehr mobilisiert"
Passau/Bonn.
Politikwissenschaftler Gerd Langguth von der Universität Bonn bewertet im
PNP-Interview das Abschneiden der CSU bei den Kommunalwahlen.
Die CSU muss bei
den Kommunalwahlen in Bayern Federn lassen. Die Parteispitzen bewerten das
Ergebnis unterschiedlich. Wie fällt Ihre Analyse aus?
Langguth: Das Ergebnis bestätigt einen Abwärtstrend der CSU -
allerdings auf hohem Niveau. Die Partei hat bisher ihre Stärke vor allem aus dem
kommunalen Bereich gezogen. Die Wahlbeteiligung ist deutlich zurückgegangen. Das
zeigt: Die CSU kann einen Teil ihrer Stammwähler nicht mehr mobilisieren. Die
SPD hat wieder Kampfesmut gewonnen. Die kleinen Parteien - und hier vor allem
die Freien Wähler und die Grünen - legen teilweise zu. Für die CSU ist diese
Kommunalwahl ein schmerzhafter Einschnitt. Das Votum der Wähler ist für die
Partei ein Alarmsignal. Die CSU-Spitze kann jetzt nicht mehr ruhig schlafen. Das
ist ein schlechtes Omen für die bayerische Landtagswahl.
In den Städten
scheint die CSU weiter an Boden zu verlieren. Entwickeln sich die Christsozialen
zu einer Provinz-Partei?
Langguth: Das ist schon seit Jahren ein großes Problem der CSU, aber auch
der Union insgesamt. Umso höher ist das Ergebnis von Ole von Beust in Hamburg zu
bewerten. Natürlich haben Amtsinhaber immer einen Vorteil. Bei Kommunalwahlen
spielt auch das Persönlichkeitsprinzip eine stärkere Rolle als bei
Bundestagswahlen.
Hat sich die
Führungskrise und der Wechsel der Parteiführung negativ auf das Wahlergebnis
ausgewirkt?
Langguth: Edmund Stoiber wird nach diesem Ergebnis besser gelaunt sein
als seine beiden Nachfolger Erwin Huber und Günther Beckstein. In der CSU stellt
sich jetzt wieder die Führungsfrage, zumindest hinter verschlossenen Türen. Eine
Doppelspitze ist immer problematisch. Spätestens nach der Bundestagswahl 2009
muss es eine Verjüngung der Parteispitze geben. Die Doppelspitze ist nur eine
Übergangslösung. Das spüren auch die Wählerinnen und Wähler. Die CSU wird jetzt
bundespolitisch immer weniger als profilierte Kraft wahrgenommen. Allerdings: Es
ist noch sehr fraglich, ob die SPD davon in Bayern wirklich stark profitieren
kann.
Das Gespräch führte
Andreas Herholz.
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