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Aus: NWZ online,
Interview, 21. Dezember 2011
Nach Weihnachten
wieder Ruhe in Schloss Bellevue
Der
Politikwissenschaftler und Parteienforscher Gerd Langguth (65) ist Professor an
der Universität Bonn.
von Gunars Reichenbachs
FRAGE:
Herr Langguth,
es kommen immer wieder Vergünstigungen für den früheren niedersächsischen
Ministerpräsidenten und heutigen Bundespräsidenten ans Licht. Wie sehr schadet
es Wulff?
LANGGUTH: Ich sage voraus, dass die Angelegenheit Wulff bald erledigt
sein wird. In dem Sinne, dass er weiter sein Amt ausüben wird – einschließlich
der Weihnachtsansprache. Und nach der Weihnachtspause wird wieder Normalität ins
Schloss Bellevue einkehren.
FRAGE: Das sehen manche Politiker in Berlin anders . . .
LANGGUTH:
Die einzelnen Vorgänge, wie jetzt das Geld von Herrn Maschmeyer für ein
Wulff-Buch, reichen nicht für einen Rücktritt aus.
FRAGE:
Hat Wulff,
wenn nicht direkt, aber doch gegen den Geist der Ministergesetze in
Niedersachsen verstoßen?
LANGGUTH: Grundsätzlich sollte ein Politiker nicht alles machen, was ihm
formal ermöglicht wird. Ein Politiker steht immer unter besonderer Beobachtung
durch die Öffentlichkeit. Und Wulff hätte besser daran getan, seine Verbindungen
zum Ehepaar Geerkens in Osnabrück voll aufzuklären im Landtag – mit Blick auf
den Privatkredit, den er erhalten hatte. Wulff wäre gut beraten gewesen, erst
gar nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, dass nur scheibchenweise mit der
Wahrheit herausgerückt wird. Andererseits muss man sagen, dass Wulff damals in
einer schwierigen Situation gewesen ist – nach einer Scheidung mit einer jungen
neuen Frau ein Haus zu kaufen. Dass sich Wulff in dieser Lage an einen
väterlichen Freund oder eine Freundin gewandt hat, sehen die Bürger als das
Normalste der Welt an. Insofern überrascht es mich nicht, dass in der
Bevölkerung der Wunsch nach einem Rücktritt keine Mehrheit hat.
FRAGE: Welche Belastung bedeuten diese Vorgänge für das Amt eines
Bundespräsidenten, der eigentlich nur die Macht der Rede hat?
LANGGUTH: Natürlich sind die Vorwürfe schon eine Belastung. Aber man muss
sich nur an den Fall des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau zurückerinnern.
Dieser hatte sich als NRW-Ministerpräsident Flüge von der Landesbank WestLB
bezahlen lassen. Diese Vorgänge kamen zu Beginn seiner Amtszeit als
Bundespräsident an die Öffentlichkeit. Trotzdem wurde Johannes Rau ein beliebter
und anerkannter Bundespräsident. Ich denke, dass die Zeit auch die Wunden in den
Angelegenheiten um Christian Wulff heilen wird.
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