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In: Nordwestzeitung; Interview, 17. Februar 2011

 

Für den Minister geht es um eine Frage der Ehre

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von Gunars Reichenbachs

 

FRAGE: Herr Professor, wie viele Zitate ohne Quellenangabe verträgt eine Doktorarbeit?


LANGGUTH: Das kann man abstrakt so nicht sagen. Es geht bei Guttenberg um eine Arbeit von fast 500 Seiten. Eigentlich muss jedes fremde Zitat gekennzeichnet werden. Der Untersuchungsausschuss der Uni Bayreuth wird die Frage klären. Ich habe bei solchen Untersuchungen selten nachweisbare Ergebnisse erlebt.

FRAGE: Ist dumm, wer glaubt, im Google-Zeitalter unbemerkt abkupfern zu können?
 

LANGGUTH: Heutzutage wird Abkupfern eigentlich immer entdeckt, insbesondere wenn man prominent ist. Das Abkupfern geschieht schon unter der Ebene von Doktorarbeiten: Der Teil von Magister- und Seminararbeiten, der aus dem Internet kopiert wird, ist nicht zu unterschätzen. Insofern ist es allein schon ein Gebot der Klugheit, ganz sauber vorzugehen.

FRAGE: Was raten Sie Minister zu Guttenberg?
 

LANGGUTH: Das Ergebnis der Kommission abwarten! Das kann aber noch einige Monate dauern. Dabei muss man ein Problem sehen: Alle politischen Angriffe konnte zu Guttenberg bisher gut überstehen – dank seines Charismas. Aber hier geht es um eine Frage der persönlichen Ehre. Da ist man leichter angekratzt und kommt schneller in die politische Defensive, als wenn es um politisch-inhaltliche Fragen geht.

FRAGE: Hat der Glanz des Strahlemanns abgenommen?
 

LANGGUTH: Guttenberg schwebt jedenfalls diesbezüglich sehr in Gefahr. Noch ist es ein Phänomen, dass er unverändert der beliebteste Politiker ist. Wenn einer etwas überstehen kann – auch diese Situation, dann Freiherr zu Guttenberg.

FRAGE: Guttenberg ist bei den Bürgern sehr beliebt. Aber gibt es in der Union eine nennenswerte Zahl von Gegnern und Neidern?
 

LANGGUTH: Natürlich gibt es Gegner und Neider. Schließlich ist Guttenberg sehr schnell nach oben gekommen. So etwas schafft Neid. Es fällt auf, dass auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen seines Selbstbewusstseins ab und zu nach Luft schnappt.

FRAGE: Wie wird Guttenberg das Problem „Gorch Fock“ überstehen?
 

LANGGUTH: Die „Gorch Fock“ wird er gut überstehen. Schwieriger ist schon die beachtenswerte Bundeswehrreform, denn hier geht es um sehr viel Geld, das wohl nicht vorhanden ist.