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Nordwest-Zeitung, Interview,
10. März 2009
Merkel zieht die Partei nach oben
Von Andreas Herholz
Frage: Kritik an Angela Merkel aus den eigenen Reihen. CDU-Politiker
fordern, sie solle die Kanzlerinnen-Uniform in den Schrank hängen und endlich
die Uniform der Kandidatin und Parteichefin anziehen. Wie bewerten Sie diese
Appelle?
Langguth: Eine Kanzlerin ist immer Kanzlerin, auch wenn sie gleichzeitig
Parteivorsitzende ist. Daran ändert auch der Wahlkampf nichts. Angela Merkel
kann nicht die Regierung aufs Spiel setzen. Deshalb überrascht der Ruf nach dem
Uniformtausch schon. In einem Punkt haben die Kritiker sicher recht: Das Profil
der Union muss in einzelnen Punkten schärfer werden. Das ist aber nicht nur
Aufgabe von Frau Merkel.
Frage: Nicht nur im Appell der Kanzlerin an Papst Benedikt XVI., auch im
Fall Steinbach sehen nicht wenige Konservative einen Tabubruch. Verprellt Angela
Merkel die Stammklientel der Union?
Langguth: Eine Kanzlerin kann sich die Themen nicht immer aussuchen. Die
Präsidentin des Vertriebenen-Bundes, Frau Steinbach, hätte besser ihr Anliegen,
Mitglied des Stiftungskuratoriums zu werden, nicht so in den Vordergrund
gestellt. Dann wäre Frau Merkel der Eindruck erspart geblieben, dass sie für die
Vertriebenen kein warmes Herz hat. Frau Steinbach hat die Bundeskanzlerin hier
in Verlegenheit gebracht.
Frage: Die CDU setzt auf die politische Mitte. Drohen da nicht Verluste
am rechten Rand?
Langguth: Die Kunst eines jeden Wahlkämpfers
besteht darin, die eigenen Stammwähler zu halten und zu versuchen, neue
Wählerschichten zu gewinnen. Angela Merkel ist besser in dem Bemühen, neue
Wähler zu gewinnen als die alten Stammwähler zu binden. Natürlich haben sich die
Milieus deutlich verändert.
Nehmen Sie nur den Appell an den Papst: 71 Prozent der Deutschen halten
Merkels Kritik am Papst für richtig. Der harte Kern der konservativen
Katholiken, die überwiegend CDU wählen, sind jedoch entsetzt, fühlen sich an
alte Kulturkampfzeiten erinnert.
Frage: Wird sich die Kritik wieder legen, oder bleibt das Unbehagen in
der Union bis zur Bundestagswahl?
Langguth: Die Funktionsträger in der Union wissen, dass die Wahlen nicht
gegen, sondern nur mit Angela Merkel gewonnen werden können. Ihre
Umfrageergebnisse sind deutlich besser als die ihrer Partei. Merkel zieht die
eigene Partei nach oben.
Bei Helmut Kohl war es genau andersherum. Wenn die Kanzlerin überraschender
Weise hinschmeißen würde, wäre das ein Desaster für die Union. Ohne Merkel wären
CDU und CSU ähnlich schwach wie die SPD. Warum sollte die Krise der
Volksparteien an der Union vorbei gehen? Angel Merkel spricht viele
Wechselwähler an. Das könnte bei der Bundestagswahl den Ausschlag geben. Ganz
entscheidend wird auch die Kompetenz bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise
sein. Hier sprechen alle bisherigen Umfragen klar für Merkel und nicht für
Frank-Walter Steinmeier. Krisenzeiten sind Kanzlerzeiten. xxxx
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