|
Aus: Norkurier,
22. Dezember 2011
Experte zur
Wulff-Affäre: „Das Amt ist nicht beschädigt“
Mit Gerd Langguth,
Politikwissenschaftler an der Universität Bonn , sprach unser Korrespondent
Rasmus Buchsteiner über die Zukunftsaussichten des Bundespräsidenten.
Berlin (nk)
Bundespräsident
Christian Wulff hat sich in der Kreditaffäre für Fehler entschuldigt. Ist das
der große Befreiungsschlag gewesen?
Nein. Davon gehe ich nicht aus. Auch wenn jetzt erst einmal die Weihnachtspause
kommt: Die Debatten um den Privatkredit und andere Vergünstigungen werden
weitergehen. Dafür wird die Opposition schon sorgen. Dabei hat sich Christian
Wulff doch entschuldigt. Er hat es als nicht gradlinig bezeichnet, dass er den
Landtag in Niedersachsen nicht über den Kredit informiert hat. Das war sein
größter Fehler. Wenn sich ein Präsident offen zu einer solchen Entschuldigung
hinreißen lässt, sollte sie auch angenommen werden.
„Wulff wankt“, hieß vor kurzem noch eine Schlagzeile. Sitzt der
Bundespräsident nach dieser Erklärung wieder fester im Sattel?
Ich war nie der Meinung, dass der Bundespräsident wankt. Die Bundeskanzlerin hat
mehrfach erklärt, dass sie seine Arbeit schätze und er sie fortsetzen solle. Das
war das klare Signal: Frau Merkel und damit die gesamte schwarz-gelbe Koalition
hat kein Interesse an einem Rücktritt des Bundespräsidenten. Und auch die
Bevölkerung will mehrheitlich, dass er im Amt bleibt.
Wie stark ist Wulffs Glaubwürdigkeit beschädigt?
Sie ist nur temporär beschädigt. Er hat jetzt die Chance, verloren gegangenes
Vertrauen zurückzugewinnen. Wulff und das Amt des Bundespräsidenten sind nicht
dauerhaft beschädigt. Ich sehe Parallelen zu Johannes Rau. Auch er wurde als
Bundespräsident eingeholt von einer Affäre aus seiner Zeit als
Ministerpräsident, der Flugaffäre bei der WestLB. Die Vorwürfe sind an Rau
letztlich abgeprallt. Er ist als einer der beliebtesten Präsidenten der
Bundesrepublik Deutschland in die Geschichte eingegangen.
Kann Christian Wulff noch zum großen Bundespräsidenten werden?
Warum nicht? Die Chance dazu hat er. Er darf sich durch die jetzige Affäre nicht
ins Bockshorn jagen lassen. Er muss sich umso intensiver, um seine eigene
Glaubwürdigkeit bemühen. Das kann er durch gute Reden. Der Bundespräsident wirkt
in der Öffentlichkeit vor allem durch das Wort, durch seine öffentlichen
Auftritte und Denkanstöße.
|