|
| |
Norddwest Zeitung NWZ, Oldenburg, 6. Januar 2010
Tragende Idee fehlt der Koalition
Von Rasmus Buchsteiner
Frage: Die Parteien starten mit Klausurtagungen und Kundgebungen ins neue
Jahr: Welches Bild gibt die schwarz-gelbe Regierungskoalition im Augenblick ab?
Langguth: Das öffentliche Bild ist erstaunlich schlecht. Die
Öffentlichkeit vermisst einen kraftvollen Neuanfang. Es fehlt offensichtlich die
tragende Idee. Schwarz/Gelb hat bisher nicht zu einem spürbaren geistigen,
politischen und emotionalen Aufbruch geführt. Man hat auch gegen die Grundregeln
der politischen Kommunikation beim Wachstumsbeschleunigungsgesetz gründlich
verstoßen: Die unpopuläre Mehrwertsteuerentlastung für Hotels hat die Entlastung
von Familien und Arbeitnehmern in den Hintergrund gerückt. Geblieben ist der
Eindruck von Klientelpolitik. Das war ein kommunikativer GAU.
Frage: Wo liegen die Ursachen für den Stolperstart?
Langguth: Die FDP muss sich als Regierungspartei erst noch selbst finden.
Westerwelle gibt zwar den perfekten Außenminister-Auszubildenden ab, aber im
Themenfeld Wirtschaft und Finanzen läuft bei der FDP weiter die
Oppositionsplatte ohne Rücksicht auf die realen Verhältnisse des Bundeshaushalts
und der Wirtschaft. Die CSU ist durch das Desaster bei der Bayerischen
Landesbank schwer angeschlagen und versucht ihrerseits, sich ohne Rücksicht auf
Verluste zu profilieren. Mancher wünscht sich natürlich, dass die Kanzlerin mal
mit der Faust auf den Tisch haut. Dem Profilierungsdrang von FDP und CSU ist so
aber nicht beizukommen.
Frage: Vor dem Dreikönigstreffen der FDP: Welche Rolle haben die
Liberalen in der Koalition bisher gespielt?
Langguth: Die Zeiten, in denen die FDP Westerwelles One-Man-Show war,
sind vorüber. Es gibt viele hoffnungsvolle Talente, zum Beispiel Philipp Rösler
als Gesundheitsminister.
Frage: Die CSU in der Krise: Ist sie nur
Regionalpartei?
Langguth: Selbst darum muss sie noch kämpfen! Die CSU erlebt einen
dramatischen Substanzverlust. Sie wird sich noch abrackern müssen, um wieder aus
dem Tal herauszukommen.
|