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Neue Presse Hannover, 3. Juni 2010„
Die Bundeskanzlerin kann sich voll auf von der Leyen verlassen“
Der Merkel- und Köhler-Biograph und Politikwissenschaftler Gerd Langguth von
der Uni Bonn sieht in Arbeitsministerin von der Leyen eine ausgezeichnete
Kandidatin fürs Bundespräsidentenamt.
VON INKEN HÄGERMANN
Es wird mit Hochdruck an der Nachfolge für den Bundespräsidenten gearbeitet.
Als Favoritin gilt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Wieso fällt
Merkels Wahl auf sie?
Man muss sehen, ob von der Leyen es wirklich wird. Meines Erachtens wäre
Frau von der Leyen aber eine ganz ausgezeichnete Kandidatin. Aus meinen
Recherchen weiß ich, dass Merkel schon 2004 mit von der Leyen über die Frage
einer Präsidentschaft diskutiert hat. Die Arbeitsministerin ist eine sehr
politische Frau, die bisher ein harmonisches und enges Vertrauensverhältnis
zu Merkel hat, auch emotional. Die Kanzlerin kann sich voll auf sie
verlassen. Das gab es in dieser Form nie zwischen Merkel und Köhler. Und
Köhler war ein Seiteneinsteiger. Ich bin überzeugt, dass Merkel niemanden
mehr will, der unberechenbar ist. Solche Probleme wie mit Köhler dürfte sie
mit von der Leyen nicht bekommen.
Ist die CDU schon bereit für zwei Frauen in den wichtigsten Ämtern des
Staates?
Ja, ich halte von der Leyen für sehr gut vermittelbar: Sie ist ein Pfund für
ihre Partei und könnte auch neues Vertrauen bei den Bürgern gewinnen.
Außerdem wäre es ja ganz charmant, wenn zwei Frauen an der Spitze stehen, da
würde sich weltweit ein neues deutsches Frauenbild entwickeln. Zudem hat von
der Leyen ein positives und auch mütterliches Bild ins Kabinett gebracht,
die Familienpolitik als Domäne der CDU zurückerobert. Für die SPD wär es
dann sehr schwer, einen Mann als Gegenkandidaten aufzustellen.
Ist es von Vorteil, dass die Nachfolge schnell geregelt werden muss?
Definitiv. Der Zwang zur schnellen Entscheidung kam bei der vorgezogenen
Bundestagswahl 2005 auch Merkel zugute. Wenn man sich innerhalb weniger Tage
entscheiden muss, wird Merkels Vorschlag auch innerparteilich eher
akzeptiert.
Von der Leyen gilt als sehr ehrgeizig. Muss Merkel nicht befürchten, dass
sie ihr die Show stiehlt?
Ja sicher, aber ich glaube nicht, dass es da zu fundamentalen Konflikten
kommt. Von der Leyen ist zwar sehr ehrgeizig und medienorientiert.
Andererseits: Wenn es eine positive Show der Bundespräsidentin gibt, fällt
das auch positiv auf Merkel zurück. Sie hat ein starkes Interesse daran,
dass die Episode Köhler ganz schnell vergessen wird. Von der Leyens Ehrgeiz
ist ein wichtiger Motor, aber ein durchaus berechtigter. Nur sehr ehrgeizige
Menschen bringen in der Politik etwas zustande.
Ist es nicht ein Fehler, eine der effektivsten und beliebtesten
Ministerinnen des Kabinetts zu verlieren?
Die Tatsache, dass von der Leyen ein positives Aushängeschild der Regierung
ist, zeigt allerdings auch, dass es sehr schwer wäre, sie in eine andere
Aufgabe zu lassen. Sie könnte der Regierung fehlen.
Wird von der Leyen mitspielen? Sie gilt als Frau mit enormem Gestaltungswillen. In der Tat könnte sie sich als Präsidentin in ihrer Gestaltungskraft beschnitten führen. Aber wer kann schon das Angebot, Bundespräsidentin zu werden, ausschlagen? Das würde ihr sicher schwerfallen. Außerdem ist das Amt das höchste im Land, verbunden mit einer hohen Beliebtheit. Sie hat keinen Vorgesetzten mehr. Und sie könnte neue Qualitäten und ihre Unabhängigkeit einbringen. Ich bin sicher, von der Leyen würde die Gestaltungsräume des Amtes voll ausnutzen.
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