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Aus Neue Presse, Interview, 15. Dezember 2011

 

„Brüderle spielt eine immer wichtigere Rolle“

 

Der Politikwissenschaftler Professor Gerd Langguth von der Universität Bonn sieht schwarz für die FDP.

Von Petra Rückerl

 

Lindner wirft hin – ist die „Boygroup“ um Rösler noch zu retten?

Das wird schwer. Der bisherige Generalsekretär ist ein durchaus eloquenter Mann mit zukunftsweisenden Ideen und so einfach nicht zu ersetzen.

Warum hat er das Handtuch wirklich geworfen?

Das ist schwer zu sagen. Vielleicht wollte er Platz für ein neues Gesicht machen, damit Rösler sich in der Öffentlichkeit rekonvaleszieren kann. Vielleicht aber wollte Rösler einfach nur jemanden aus seiner früheren niedersächsischen Umgebung haben, dem er vertrauen kann, denn Lindner wurde ja noch von Westerwelle berufen.

Nachfolger wird Patrick Döring aus Hannover. Eine gute Wahl?

Das erschließt sich mir noch nicht. Mit seinem bisherigen politischen Profil konnte Döring noch keine überregionale Ausstrahlung entwickeln. Außerdem ist das politische Pflaster in Berlin auch viel härter als das in Hannover.

Die FDP steckt ohnehin in der Krise. Ist die Partei noch zu retten?

Die Fünfprozenthürde wird sie sicher überwinden. Je näher die nächste Bundestagswahl kommt, desto mehr Wähler werden dann doch sagen, dass man auf eine liberale Kraft nicht verzichten kann. Die Frage stellt sich allerdings, was die liberale Idee heute ist. Der Liberalismus ist mittlerweile in CDU und CSU, bei der SPD, bei den Grünen und nun auch den Piraten eingesickert.

Was bedeutet die FDP-Führungskrise für Angela Merkel?

Sie hält schon Ausschau nach einem neuen Koalitionspartner, allerdings erst nach den nächsten Wahlen. ich vermute, dass die schwarz-gelbe Koalition bis dahin noch halten wird.

Wen hat die FDP personell noch zu bieten?

im Moment hat sie ein eher unterentwickeltes Personalportfolio. Der Minister Daniel Bahr mag ein vernünftiger und qualifizierter Mann sein, aber mit Gesundheitspolitik kann man keine Wahl gewinnen. Und mit Außenminister Guido Westerwelle auch nicht. Parteichef Philipp Rösler kann sich als Wirtschaftsminister nicht profilieren – zumal man ihm die wirtschaftliche Kompetenz nie zugetraut hat wie seinem Vorgänger Rainer Brüderle.

Also ist Brüderle der alte und der kommende Mann?

Brüderle spielt eine immer wichtigere Rolle. Er ist das vertraute Gesicht der FDP. Ob das reicht, muss sich zeigen.