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Norddeutscher Rundfunk, 15.
August 2005, 6.08 Uhr
Angie und die starken Jungs: Welche Macht hat
Angela Merkel in ihrer eigenen Partei?
Unser Thema jetzt Angela Merkel, die Macht und die Männer.
Wie leicht, denkt man oft, könnte es das Mädchen, so hat Kohl sie genannt, auf
dem Weg nach ganz oben haben, wenn da nicht die Jungs wären. Allen voran derzeit
Stoiber, aber es gibt auch noch Schäuble, Rüttgers, Wulff, Müller, Koch und den
unvergessenen Friedrich Merz. Fragen an Gerd Langguth, er hat gerade eine
Merkel-Biografie veröffentlicht.
NDR Info: Herr Langguth, wem vertraut Merkel, wem kann sie
vertrauen?
Langguth: Nehmen wir mal das Beispiel Christian Wulff.
Christian Wulff ist sicherlich ihr entschiedenster Anhänger, der auch nach außen
sagt, er hätte gar nicht das Machtgespür einer Angela Merkel. Natürlich hat er
das Machtgespür, sonst wäre er kein Ministerpräsident geworden, sonst wäre er
natürlich nicht zweimal umsonst Kandidat gewesen, in Niedersachsen, um es dann
beim dritten Mal zu schaffen. Aber er hat eine zurückhaltendere Art, seine
Machtgefühle zum Ausdruck zu bringen. Oder nennen wir jetzt wiederum aus
Norddeutschland Ole von Beust, der sich sehr stark auf die Landespolitik
konzentriert. Und gerade im Moment sind natürlich, solange der Wahlkampf ist,
eigentlich alle interessiert, dass Frau Merkel Kanzlerin wird. Also selbst die
Äußerungen eines Stoiber aus Bayern haben ja nicht das Ziel, Frau Merkel etwa
schaden zu wollen, sie waren schädlich, das sehe ich, aber die Intention war
nicht, dass man Frau Merkel jetzt in irgendeiner Form vorführen wollte.
NDR Info: Viele haben ja den Verdacht, dass einige CDU-Männer
den Sieg gar nicht wollen, um ihrerseits bei der nächsten Wahl dann
zuzuschlagen.
Langguth: Gut, Politiker denken natürlich immer um die Ecke und
diese Vermutung wird man auch nicht völlig widerlegen können. Andererseits
glaube ich, dass selbst auch interne Widersacher wie Koch -und das Verhältnis
von Koch zu Merkel ist ja ziemlich frostig-, oder auch zwischen Merz und Merkel,
dass auch diese natürlich bei der nächsten Wahl dann doch Frau Merkel ihre
Stimme geben und unterstützen werden; wenn Frau Merkel scheitern würde, dann
würde natürlich das Säbelrasseln in der Partei losgehen und dann glaube ich auch
nicht, dass sie sich sehr lange wird halten können, aber das ist eine reine
Spekulation. Also, ich gehe davon aus, dass sie gewählt wird und damit hat sie
natürlich alle die Vorteile, die ein aktiver Regierungschef hat.
NDR Info: Warum eigentlich versteckt Frau Merkel ihren Mann,
oder will der gar nicht so sehr an die Öffentlichkeit?
Langguth: Also, ihr Mann ist eine interessante Figur, weil er
ein großes Selbstbewusstsein hat und er will nicht in der Rolle eines Dennis
Thatcher so ein Anhängsel sein, wie das in Großbritannien der Fall war, als viel
bespötteltes Anhängsel seinerzeit, dass er sich eben nicht sozusagen durch seine
eigene Frau identifizieren will.
NDR Info: Was ist Merkels größte Schwäche, was ihre größte
Stärke?
Langguth: Ihre größte Stärke ist ihr ungeheurer Fleiß, auch der
heftige Durchsetzungswille. Ihre größte Schwäche ist eben ihre emotionale
Unfähigkeit, sich anderen mitzuteilen in ihren eigenen Sehnsüchten, ihren
eigenen Werten und ihren eigenen Sichtweisen, dass sie viel zu sehr vielleicht
noch in der Rationalität einer Naturwissenschaftlerin argumentiert und nicht
vermittelt, dass man auch für die Politik so etwas wie einen geschichtlichen
Entwurf braucht, eine Geschichtsdeutung, wie das beispielsweise Helmut Kohl tun
konnte.
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