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aus: Münchner Merkur, Interview, 28. März 2011
„Westerwelle muss bangen“
Wird Angela Merkel die Erschütterung im Ländle bis nach Berlin spüren? Gerd Langguth: Sicherlich. Nur: Die CDU hat keine Alternative zu ihr. Um sie zu stürzen, bräuchte es einen Gegenkandidaten. Es gibt aber niemanden, der gegen Merkel antritt. Kurzfristig ist sie wohl unangreifbar. Wie sieht es aber auf längere Sicht aus – mit schwächelnder FDP und mehr Gegenwind im Bundesrat? Unter Helmut Kohl war es ja auch schon so, dass die Union permanent gegen eine Mehrheit im Bundesrat regieren musste – neu wäre das nicht. Bei Merkel wird es darauf ankommen, welches Ergebnis sie bei der Bundestagswahl 2013 erzielt – und wen die SPD als Kanzlerkandidaten aufstellt. Wenn es Sigmar Gabriel würde, wäre das Rennen gelaufen – zugunsten Merkels. Und bei einem Kanzler-Kandidaten Steinbrück? Das wäre etwas anderes. Aber ich glaube nicht, dass die SPD ihn kürt. Bei der FDP werden Köpfe rollen, oder? Wenn nicht, würde mich das schwer wundern. Die kleine FDP ist ohnehin schwer erschüttert. Und sie hält im Mai ihren Bundesparteitag ab – eine Gelegenheit zum Putsch. Die CDU hatte im Oktober 2010 ihren letzten Parteitag, der nächste steht erst ein Jahr vor der Bundestagswahl an. Das ist kein guter Zeitpunkt für personelle Attacken auf Merkel – da ist dann eher Geschlossenheit gefragt. Geht es Westerwelle an den Kragen – er sagt ja, er werde auf keinen Fall von Ämtern zurücktreten? Das ist Pfeifen im Walde. Westerwelle muss um sein politisches Überleben bangen. Aber er ist ein Kämpfer. Es kann auch sein, dass ein anderes Opfer gefunden wird, das ihm das Überleben ermöglicht – zum Beispiel Birgit Homburger, die Fraktionsvorsitzende im Bundestag. Oder Rainer Brüderle, bis vor kurzem noch ein „rising star“ der FDP. Verändert ein grüner Landesvater das Gesicht der Bundesrepublik? Auf jeden Fall. Kretschmann ist zwar kein Revoluzzer, sondern ein braver, biederer Schwabe. Aber bisher hieß Parteienpolitik in der Bundesrepublik: Union auf der einen Seite, SPD auf der anderen. Jetzt sind die Grünen da. Vor allem die SPD muss sehen, wie sie damit zurechtkommt, dass nun ihr einstiger Juniorpartner das Sagen hat. Interview: Robert Arsenschek | |||||||||||||||||||||||||||||