|
|
Aus: Münchner Merkur, 25. September 2008
„In Bayern gehen die Uhren auch nicht anders“ Der Politik-Professor und Kanzler-Biograf Gerd Langguth über die Wahl im Freistaat Welche Auswirkungen hat die Bayern-Wahl auf die Bundespolitik? Ein Gespräch mit Gerd Langguth (62), Politik-Professor an der Universität Bonn, Kanzler-Biograf und CDU-Kenner.
Haben Sie schon eine Wette abgegeben für Sonntag? Ich wette grundsätzlich nie. Es würde auch keinen Zweck haben. Denn die bekannten Umfragen sind nur bedingt aussagekräftig, und das Verhalten der Wähler wird immer schwerer kalkulierbar. Gut möglich, dass die schlechten Meinungsumfragen der CSU in den nächsten Tagen noch einen Mobilisierungsschub bringen. Das kann aber genauso gut auch einen Auftrieb für die kleineren Parteien bedeuten. Welche Bedeutung hat der Ausgang dieser Landtagswahl für die Union insgesamt? Die Bedeutung ist enorm. Ein Wahlergebnis der CSU von unter 50 Prozent wäre keine gute Prognose für die Bundestagswahlen 2009. Da darf sich die Union nichts vormachen. Die SPD hat sich zwar trotz des Führungswechsels nicht von ihrer Krise erholt, doch auch die Union stagniert in den bundesweiten Umfragen um 35 Prozent. Bisher war die CSU nicht nur ein Stabilitätsanker für die gesamte Union, sondern auch ein wichtiger Profilierungsfaktor. Die CSU spricht über die Grenzen des Freistaats hinaus Wähler an, die das spezifisch bayerische Profil sympathisch finden und dies dann mit der gesamten Union verbinden. Bisher fiel der CSU die Aufgabe zu, die konservative Klientel zu bedienen. Gelingt ihr dies noch? In Bayern gehen die Uhren auch nicht anders als im Rest der Republik. Gewisse Entwicklungen vollziehen sich dort manchmal vielleicht etwas langsamer, doch auch in Bayern gibt es eine Auflösung traditioneller Milieus. Darunter leidet die CSU mehr als alle anderen Parteien. Wenn die Mehrheit verloren geht, wird die CSU dann zum 16. Landesverband der CDU? Nein. Die CSU verfügt über ausreichend Kraft, um ihre Eigenständigkeit zu behaupten. Aber natürlich würde sich im Falle einer Wahlniederlage die Frage nach dem Selbstverständnis stellen: Der bundespolitische Anspruch der CSU basiert seit jeher auf ihrer Stärke in Bayern. „Die CDU braucht eine starke CSU“, sagt Merkel. Aber kommt es der Kanzlerin nicht auch gelegen, dass die Christsozialen schwächeln? Immerhin hat ihr die CSU zu Stoibers Zeiten hart zugesetzt. Frau Merkel muss sich fragen lassen, ob diese Logik wirklich stimmt. In der CDU gibt es immer weniger Ministerpräsidenten, die der Kanzlerin halbwegs auf Augenhöhe begegnen können. Angela Merkel hat in der Union gegenwärtig einen Einfluss wieHelmut Kohl zu seinen besten Zeiten. Würde das Gewicht der CSU geschwächt, würde die Union noch monochromer. Das kann nicht im Interesse der CDU sein.
Auch Köhler blickt gespannt gen Süden: Könnten FDP und Freie Wähler die drohenden Wahlverluste der CSU kompensieren – und damit dem Bundespräsidenten im Mai 2009 die Wiederwahl sichern? Die Freien Wähler haben bereits signalisiert, dass sie Köhler unterstützen würden. Die Stimmen der Liberalen sind dem Präsidenten ja ohnehin sicher. Somit könnte sich die Hoffnung der SPD, durch die Bayern-Wahl einen besonderen Schub für ihre Bundespräsidenten- Kandidatin Gesine Schwan zu bekommen, als ziemlich illusorisch erweisen.
Interview: Holger Eichele | |||||||||||||||||||||||||||||