|
|
aus: Münchner Merkur, Interview, 14. Dezember 2011
„Beziehung mit Geschmäckle, aber kein Skandal“
Politik-Professor Langguth rät Bundespräsident Wulff zu einem achtsameren Umgang mit Freunden aus der Wirtschaft
Bundespräsident Christian Wulff (CDU) sprachen wir mit dem Bonner Politikwissenschaftler und CDU-Experten Gerd Langguth. Wie schätzen Sie den Wirbel um Christian Wulffs Kredit ein: Ist das Ganze belanglos oder ein handfester Skandal? Ein Skandal ist es nicht. Das wäre es erst, wenn nachgewiesen würde, dass dem Unternehmer oder seiner Frau im Gegenzug für den Kredit Vorteile vom Land Niedersachsen gewährt wurden. Darauf deutet bisher aber nichts hin. Da der Kredit zudem angemessen verzinst wurde, ist das Ganze eine normale Angelegenheit. Es ist ja nicht unüblich, dass Menschen sich von einem vermögenden Bekannten Geld leihen. Aber nicht viele dieser Menschen stehen so sehr in öffentlicher Verantwortung wie Wulff, der damals Ministerpräsident war. Natürlich ist der Maßstab bei einem Politiker ein anderer als bei „Normalbürgern“. Deswegen wird auch Wulff inzwischen sicherlich klar sein, dass er das nicht hätte machen sollen. Ärger gibt es auch wegen seiner Antwort im Landtag. Auf eine Anfrage der Grünen hat Wulff 2010 erklärt, er habe keine geschäftlichen Beziehungen zu dem Unternehmer. Das war formal korrekt, der Kredit kam ja von der Frau des Unternehmers. Aber klug war es nicht. Hätte er gleichmit der vollen Wahrheit rausgerückt, könnte das Ganze heute nicht mehr skandalisiert werden. Denken Sie, dass Wulffs Ansehen nachhaltig beschädigt ist? Nein, ich denke nicht, dass ihm diese Angelegenheit gravierend schaden wird. Aber er sollte schon ein wenig besser achtgeben. Solche privaten Beziehungen eines Politikers zu einem Unternehmer haben eben immer ein Geschmäckle. Wo ist die Grenze: Ist schon ein freundschaftliches Verhältnis eines Politikers zu einem Unternehmer verdächtig? Gegen Freundschaften ist nichts einzuwenden. Sobald es aber zu wirtschaftlichen Beziehungen kommt, die zu Abhängigkeiten führen können, wird dies ein Problem. Müssen sich Politiker zu gläsernen Menschen machen, um Vorwürfe dieser Art zu vermeiden? Ja. Für einen Politiker ist völlige Offenheit, zumindest was sein Einkommen angeht, in der heutigen Mediengesellschaft das einzig Richtige. Christian Wulff stand bereits früher in der Kritik, weil er in Villen von Unternehmern Urlaub gemacht hat. Fehlt ihm das Gespür dafür, was ein Spitzenpolitiker lieber lassen sollte? Ich denke, dass er inzwischen einsieht, dass er als Spitzenpolitiker bei so etwas vorsichtiger sein muss als ein „Normalbürger“. Wulffs Urlaubsplanung war nicht sonderlich geschickt – insbesondere die Ferien im Haus des Finanzunternehmers Carsten Maschmeyer. Der ist ein skandalumwitterter Mensch. Ähnliche Fälle gibt es in Deutschland immer mal wieder. Ist die Versuchung so groß, oder fehlt’s an Kontrolle? Es lässt sich nicht alles kontrollieren. Da muss man schon auf die Einsicht der Politiker selbst setzen. Interview: Andreas Zimniok | |||||||||||||||||||||||||||||