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Main-Post, 17. Oktober 2010„Guttenberg wäre sicher im Moment der geborene Kanzlerkandidat“
Für die Union geht es abwärts. In der jüngsten
Forsa-Umfrage kommt sie nur auf 29 Prozent. Politologe Gerd Langguth über
die Fehler.
Frage: Was macht die Union verkehrt? Gerd Langguth: Ein Jahr lang war Kakofonie in der Koalition angesagt. Jetzt ist der „Herbst der Entscheidungen“ angesetzt. Aber wer verändert, der verliert an Stimmen. Die Koalition muss derzeit viel Unpopuläres machen. Und was besonders schwer wiegt: Angela Merkel hat bisher nicht klarmachen können, was eigentlich die Mission des christlich-liberalen Projekts ist. Welche Mission könnte das sein? Langguth: Die Union muss den Menschen Sicherheit in einer sich stark verändernden Welt geben und dabei gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit des Landes vermitteln. Die Stichworte lauten Bildung und Forschung. Hier tut die Union noch viel zu wenig, um das klarzumachen. Nach einer Wahlniederlage der regierenden CDU im kommenden Jahr in Baden-Württemberg könnte auch Angela Merkels Stuhl im Kanzleramt wackeln. Was halten Sie von solchen Spekulationen? Langguth: Das halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Ihre eigene Partei hat Merkel jedenfalls im Griff. An ihrer Wiederwahl zur CDU-Vorsitzenden auf dem Bundesparteitag im November gibt es keinen Zweifel. Und eine Vorsitzende, die zugleich Kanzlerin ist, in der eigenen Partei zu stürzen, ist fast unmöglich. Karl-Theodor zu Guttenberg scheint in der Union gerade zu einem Messias aufzusteigen. Ihm werden Ambitionen für Kanzlerschaft und CSU-Vorsitz nachgesagt. Wird der Mann überschätzt? Langguth: Nein. Guttenberg wird selber noch zuwarten wollen. Dass er so beliebt ist, liegt an seinem gewandten Auftreten und daran, dass er integrieren kann und für konservative Seelen in der Union wählbar ist. Er wäre sicher im Moment der geborene Kanzlerkandidat, sollte Merkel der berühmte Ziegelstein auf den Kopf fallen. Doch verkörpert Freiherr zu Guttenberg wirklich das Konservative in der Union? Mit der Abschaffung der Wehrpflicht hat der Verteidigungsminister doch gerade viel konservatives Tafelsilber zerschlagen. Langguth: Das ändert aber nichts daran, dass Karl-Theodor zu Guttenberg für eine starke Bundeswehr ist. Dabei hat er gut vermittelt, dass eine Wehrpflichtarmee dieser Rolle nicht mehr gerecht werden kann. Dafür eine Mehrheit zu bekommen, zeigt Guttenbergs starken Einfluss im konservativen Umfeld.
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