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Aus: Märkische Oderzeitung, 18. Februar 2010
„FDP ist eine One-Man-Show“ FÜNF FRAGEN AN: Gerd Langguth, Politikwissenschaftler an der Universität Bonn Der Unmut über Parteichef Westerwelle und seine Alleingänge wächst bei den Liberalen. Darüber sprach Christina Wendt mit Professor Gerd Langguth von der Universität Bonn.
Märkische Oderzeitung: Halten Sie es für realistisch, dass Guido Westerwelle den Parteivorsitz zugunsten des Ministeramtes abgibt? Gerd Langguth: Guido Westerwelle wird nie und nimmer auf den Parteivorsitz verzichten. Der ist die Quelle seiner Macht. Wie schnell man an Einfluss verlieren kann, wenn man den Chefposten abgibt, musste Gerhard Schröder als Kanzler erleben als er den SPD-Vorsitz an Franz Müntefering abgab. Ist aber Hans-Dietrich Genscher kein gutes Beispiel für die Trennung beider Ämter? Genscher hat den Parteivorsitz 1985 in einer echten Krisensituation abgegeben. Damals hatte die FDP den politischen Kurs geändert, war von der SPD zur Union gewechselt. Wer könnte Westerwelle denn im Amt des Parteivorsitzenden folgen? Überspitzt formuliert ist die FDP eine One-Man-Show, eine Ein-Personen-Veranstaltung. Außer ein paar hoffnungsvollen Nachwuchstalenten gibt es keine anderen großen Namen. Das war bei Hans-Dietrich Genscher ganz anders: Es gab Otto Graf Lambsdorff oder Hans Mischnick. Welche Konsequenzen hat eine Wahlschlappe in Nordrhein-Westfalen? Für die FDP besteht die Gefahr, dort als Regierungspartei abgestraft zu werden, weil diese Landtagswahl zu so etwas wie eine Mini-Bundestagswahl werden kann. Das könnte dazu führen, dass die FDP aus der Regierung in NRW fliegt. Damit würde eigentlich die Regierungsmannschaft in Berlin abgestraft. Wie stark ist Andreas Pinkwart? Ein einzelner Landespolitiker kann die Stimmung nicht herumreißen. Eine weitere Distanzierung von Westerwelle den Negativtrend in den Umfragen eher noch verstärken. Die Wähler könnten sich bestätigt fühlen, wenn sich sogar schon FDP-Politiker von ihrem Chef abwenden. Wer könnte Westerwelle das Leben schwer machen? Es gibt immer Parteimitglieder, die etwas gegen ihren Vorsitzenden haben. Einige liberale Landeschefs haben noch die eine oder andere politische Rechnung mit Westerwelle offen, etwa Schleswig-Holsteins Wolfgang Kubicki. | |||||||||||||||||||||||||||||