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Aus: Märkische Allgemeine, Interview, 23. Februar 2011

 

Wenn einer das übersteht, dann Guttenberg

 

 

Der Bonner Politologe Gerd Langguth ist ausgewiesener Kenner der Unionsparteien. Mit ihm sprach Henry Lohmar.

MAZ: Kann Karl-Theodor zu Guttenberg Minister bleiben?

Gerd Langguth:Wenn ihm präzise nachgewiesen wird, dass er gemogelt hat, dann kratzt das an seiner Ehre. Und das macht sein Überleben als Minister schwierig.

Also muss er zurücktreten?

Langguth: Das ist letztlich seine und Merkels Entscheidung. Wenn es einen Minister gibt, der eine solche Affäre überlebt, dann ist es Herr zu Guttenberg. Dabei hilft ihm die riesige Sympathie, die er in der Bevölkerung genießt.

Aber er würde doch permanent eine Angriffsfläche bieten, wenn er bliebe.

Langguth: Er ist geschwächt, das stimmt. Vor dieser Affäre hat er die Hilfe der Bundeskanzlerin nicht gebraucht. Jetzt ist er erstmals von Angela Merkels Unterstützung abhängig. Dasselbe gilt für das Binnenverhältnis innerhalb der CSU gegenüber Horst Seehofer.

Braucht ihn die Union noch?

Langguth: Herr zu Guttenberg hat eine fast märchenhafte Karriere hingelegt. Er gilt wegen seiner Herkunft als unabhängig und vertritt einen Politikertypus, den es so in den anderen Parteien nicht gibt. Sein Sturz wäre ein großer Verlust für die Union.

Sie kennen den akademischen Betrieb. Muss sich nicht auch die Universität Bayreuth Vorwürfe machen?

Langguth: Prinzipiell ist es schwer, Plagiate zu erkennen, wenn man nicht die zum Teil Zehntausende von einzelnen Bezugstexten im Kopf hat. Aber ein Ruhmesblatt ist die Angelegenheit für die Universität sicherlich nicht.