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Lübecker Nachrichten, Interview, 8. März 2009

"Ab Sommerpause offene Schlacht"

 

Lübecker Nachrichten: Wirft das Ende der Großen Koalition seine Schatten voraus?
Gerd Langguth: Ja, und dies nicht erst seit den letzten Wochen. Ein heimlicher Wahlkampf wird schon seit Monaten betrieben. Allerdings hat die Koalition noch eine Existenzberechtigung, nämlich in der Bewältigung der Finanz- und Bankenkrise. Hier hat sie sich zusammengerauft.


LN: Also handlungsfähig in Sachen Krisenpolitik?
Langguth: Das liegt vor allem an der hervorragenden Zusammenarbeit zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück. Hingegen setzt sich Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier von der Kanzlerin immer mehr ab.


LN: Merkel steht in den eigenen Reihen unter Druck. Die CSU gibt ihr die Schuld an sinkenden Umfragewerten.
Langguth: Merkel unterschätzt gelegentlich die Bedeutung der Stammwähler. Bei Wechselwählern hat sie ein hohes Beliebtheitspotenzial. Weil Merkel keine geborene Christdemokratin ist sondern eine gelernte, hat sie ein Problem mit dem typisch christlich-demokratischen Milieu.


LN: Die SPD steht geschlossen da, liefert Rezepte zur Krisenbewältigung – und kann in Umfragen nicht punkten.
Langguth: Merkel macht eine Politik, die sehr stark von Sozialdemokraten mitgetragen werden kann. Die Kanzlerin besetzt die Themen der SPD. So hat sie bereits 2007 auf einem Parteitag die hohen Managergehälter angeklagt. Gleichzeitig erschwert die Linkspartei ungemein eine Profilierung der SPD.


LN: Wann geht der Wahlkampf richtig los?
Langguth: Die offene Schlacht beginnt spätestens mit der Sommerpause. Eine heimliche Schlacht wird uns bereits seit Monaten serviert. Beispiele: Steinmeier schreibt ohne Absprache mit der Kanzlerin Barack Obama eine offenen Brief, wo dieser noch nicht vereidigt ist. Steinmeier ernennt ohne Absprache einen Afghanistan-Beauftragten. Schließlich lädt er Betriebsräte der Automobilindustrie in Auswärtige Amt statt in die SPD-Zentrale als Partei-Vize.

Interview: Jens Ehlers