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Lübecker Nachrichten, 8. Mai 2007 "Der Grund war, dass Klar keine Reue gezeigt hat" Biograf Gerd Langguth zu Köhlers Beweggründen
Lübeck – Dass der Bundespräsident das Gnadengesuch von Christian Klar abgelehnt hat, lag nicht am Druck aus der CSU, sagt der Bonner Politikwissenschaftler und Köhler-Biograf Gerd Langguth. Lübecker Nachrichten: Hat Köhler sich mit der Ablehnung des Gnadengesuchs dem politischen Druck am Wochenende gebeugt? Gerd Langguth: Das glaube ich nicht. Er hat die Entscheidung so schnell bekannt gegeben, um die Diskussion nicht mehrere Tage weiter wabern zu lassen. LN: Was vermuten Sie war der Grund für die Ablehnung? Langguth: Dass Christian Klar keine Reue gezeigt hat. Danach konnte Köhler gar nicht anders, als das Gnadengesuch abzulehnen. Klar wollte sich in der linksextremen Szene nicht den Vorwurf des Opportunismus machen lassen. Der Bundespräsident ist aber sicherlich ergebnisoffen in das Gespräch mit Klar gegangen. Er hätte sich aber mit einer für Klar positiven Entscheidung schwer getan, weil er sich gerne im Einklang mit der Öffentlichkeit sieht. Insofern hat es eher Druck auf Köhler ausgeübt, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung gegen die Begnadigung Klars war. LN: Steht Köhler nicht doch unter Verdacht, er habe sich dem politischen Druck gebeugt, und ist das Amt des Bundespräsidenten dadurch beschädigt? Langguth: Es tut dem Amt nicht gut, wenn vor einer Entscheidung des Bundespräsidenten großer politischer Druck auf ihn ausgeübt wird. Aber man darf natürlich auch kritische Fragen an den Bundespräsidenten stellen, auch in der Öffentlichkeit. Es ist jedoch nicht akzeptabel, dass mit politischen Druck zu verbinden, wie es CSU-Generalsekretär Markus Söder getan hat, Köhler bei der nächsten Präsidentenwahl nicht wiederzuwählen. LN: Hat Köhler die Einmischung aus der Politik selbst herausgefordert, weil er sich auch in Tagespolitik eingemischt hat? Langguth: Richtig ist, dass Köhler immer ein unbequemer Präsident sein wollte. Man muss hier aber auch bedenken, dass der Fall lange in der öffentlichen Diskussion stand. Dazu hat offensichtlich auch beigetragen, dass Überlegungen aus dem Bundespräsidialamt an die Öffentlichkeit gelangt sind. LN: Wird Köhler sich jetzt mehr zurückhalten? Langguth: Er wird sich vermutlich zum Fall Klar und RAF gar nicht mehr äußern. Er wird weiter unbequem sein wollen, er ist für Überraschungen gut. Interview: Rüdiger Wenzel | |||||||||||||||||||||||||||||