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Lübecker Nachrichten, 19. Juli 2008
Experte: Huber
baut für den Fall schlechter Ergebnisse vor
Lübecker Nachrichten: Angela Merkel hat die CSU mit
einer kämpferischen Rede geradezu um den Finger gewickelt. Ist sie die Siegerin
im unionsinternen Steuerstreit?
Gerd Langguth: Von Siegern und Besiegten wird man nicht
sprechen können. Angela Merkel durfte erwarten, dass sie als Kanzlerin von der
Schwesterpartei freundlich empfangen wird. Alles andere wäre ein Skandal
gewesen. Merkel versteht es auch geschickt, an die bayerische Seelenlage zu
appellieren.
LN: Hat die CSU die Profilierung auf Kosten der CDU
übertrieben?
Langguth: Die CSU hat diese Kampagne vor allem ohne Absprache
mit der CDU losgetreten. Die Haushaltssanierung ist das wichtigste gemeinsame
Projekt der Großen Koalition. Das kann Merkel nicht opfern, nur weil das Gespann
Huber-Beckstein ein Wahlkampfthema braucht.
LN: Die CSU hat also einen Streit angezettelt, den sie
gar nicht gewinnen kann?
Langguth: Sie kann ihn nicht gewinnen, weil Merkel nicht
nachgeben darf. Es wäre ein Einknicken vor bayerischen Ansprüchen. Die Mehrheit
der Bevölkerung ist allerdings auf Seiten der CSU und will die alte
Pendlerpauschale zurück. Parteitaktisch kann es sich also noch als geschickt
erweisen, dass die CSU als erste eine Korrektur gefordert hat.
LN: Hat der Krach bleibende Wunden geschlagen?
Langguth: Das glaube ich nicht. Holt die CSU ein gutes
Wahlergebnis, ist das schnell vergessen. Die Auseinandersetzung wird gerade
deshalb jetzt geführt, damit bei einem schlechten Ergebnis die Schuldigen schon
ausgemacht sind. Das sind dann Angela Merkel und die CDU. Da kennen die Bayern
nichts: Wenn etwas schlecht läuft, sind immer Andere schuld, nur nicht sie
selbst.
Interview: Arnold Petersen
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