Startseite
Infos zu meinen Lehrveranstaltungen
Universität Bonn
Archiv (bis 2000)
Foreign Languages
Homepage durchsuchen
Veröffentlichungen
Vortragsthemen
Kontakt
Lebenslauf
 

Kölner Stadt Anzeiger, 1. Juni 2010

"Köhler war politisch und menschlich überfordert"

 

Wissenschaftler Langguth über die Amtsführung des Präsidenten und Gründe für den Rücktritt

Herr Langguth, Bundespräsident Horst Köhler hat seinen Rücktritt mit einem Mangel an Respekt vor dem Amt begründet. Können Sie diese Begründung nachvollziehen?
 

GERD LANGGUTH: Ich glaube, Horst Köhler hat zum Teil recht, aber nur zum Teil. Wenn ich zum Beispiel manche Reaktion aus der Opposition nehme. Ich meine zum Beispiel Jürgen Trittin, der Köhler im Zusammenhang mit dessen Afghanistan-Äußerungen vorgeworfen hatte, er stehe nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes. Aber auf der anderen Seite glaube ich, Köhler war politisch und menschlich mit diesem Amt überfordert.
 

Wieso überfordert?


LANGGUTH: Er konnte mit der Härte des Amts nicht umgehen. Köhler war kein Politiker, er hatte keine Erfahrung aus dem politischen Alltag. Er war ein hochrangiger Beamter und ist schlicht an der rauen Wirklichkeit des politischen Geschäfts gescheitert. 
 

Das hieße ja, wenn man diese Theorie weiter verfolgt, er war charakterlich nicht geeignet. Oder konnte er, der ja gerne selber austeilte, Kritik nicht vertragen?
 

LANGGUTH: Charakterlich ist Köhler hochanständig. Nur tat er sich mit seiner Amtsführung schwer, er verstand sich als eine Art Ersatzmonarch.
 

Horst Köhler war ja auch der Bundespräsident Angela Merkels. Also ist dieser Rücktritt auch ein weiterer Rückschlag für die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende.
 

LANGGUTH: Köhler war schon der Präsident der Koalition, nicht nur der Kanzlerin. Aber das Problem ist jetzt nicht so sehr das Image der Kanzlerin, sondern vielmehr die Tatsache, dass ein großer Teil der politischen Energie nun auf die Suche nach einem
neuen Bundespräsidenten gelegt werden muss. Dabei gibt es im Moment wahrlich drängendere Probleme wie etwa die Lösung der Euro-Krise.
 

Noch mal die Frage: Ist Merkel geschwächt?


LANGGUTH:  Ja, sie geht nicht gestärkt hervor. Die Bundeskanzlerin hat schon wieder einen Mann verloren. Jetzt kommt es darauf an, wo die Lösung ist.
 

Das Gespräch führteThomas Geisen.