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Hamburger Abendblatt, 25. Juni 2010

 

Ausgerechnet Helmut Schmidt...

Fünf Fragen - fünf Antworten

Gerd Langguth, Bonner Politik-Professor und Merkel-Biograf

 

1.Hamburger Abendblatt: Hat die

schwarz-gelbe Bundesregierung

einen „Hang zur wilhelminischen

Großspurigkeit“ im Umgang mit den

Franzosen, wie Helmut Schmidt meint?

Gerd Langguth: Es ist bemerkenswert,

dass dies ausgerechnet Helmut Schmidt

behauptet, der früher als „Weltökonom“

meinte, den Großen der Welt erläutern

zu müssen, was richtig oder falsch ist.

Wahr ist aber, dass das Verhältnis der

Deutschen zu den Franzosen nicht

mehr das ist, was es unter den Kanzlern

Schmidt und Kohl war. Daran ist auch

der etwas sprunghafte Sarkozy schuld.

2.Was ist aus den Gemeinsamkeiten

zwischen Deutschland und

Frankreich geworden?

Die Zeiten sind andere. Es steht weniger

Geld zur Verfügung. Früher haben die

Regierungschefs vor Gipfeln ihre

Schwierigkeiten systematisch ausgeräumt.

Kohl schickte seinen Berater

Teltschik nach Paris oder von dort kamen

Emissäre hierher und die Probleme

wurden stillschweigend aus dem

Weg geräumt.

3.Warum klappt dieses System der

Problembeseitigung denn heute

nicht mehr?

Das dürfte nicht nur an Berlin, sondern

auch an der Regierung in Paris liegen.

Mit Sarkozy einig zu werden, der durch

seine Spontaneität bekannt ist, ist sehr

viel schwieriger. Außerdem liegt weit

auseinander, was Frankreich anstrebt

und was Deutschland will. Wenn die EU

stärker zu einer Transferunion wird,

müssen die Deutschen ihren Reichtum

teilweise an andere Länder abgeben.

Insgesamt offenbaren sich unterschiedliche

Konzeptionen. Das französische

Konzept einer Wirtschaftsregierung

der EU wird in Berlin so nicht geteilt.

4.Schadet sich die EU selbst mit

der Erweiterung auf 27 Staaten?

Es war immer umstritten, ob sich die

Vertiefung und die Erweiterung der Gemeinschaft

widersprechen. Eine zu

schnelle Erweiterung führt jedenfalls

zu Problemen. Die Griechen sind im

Jahre 2000 viel zu früh in die Eurozone

gelassen worden. Europa soll aber nicht

nur eine Wirtschaftsunion, sondern

auch eine Friedensmacht sein.

5.Wäre denn eine stärkere Regulierung

der Finanzmärkte sinnvoll?

Ja, aber es muss vor allem erst einmal

europäisch harmonisiert werden. Nur

wenn sich die Staatschefs beim G20-

Gipfel einigen, wird es auch in Europa

funktionieren.

 

Die Fragen stellte Christoph Rind