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General-Anzeiger, 26. Mai 2010

 

"Koch wird Merkel fehlen"

 

Mit Merkel-Biograf Gerd Langguth sprach Ulla Thiede.

General-Anzeiger: Was bedeutet der Rücktritt Roland Kochs für das Machtgefüge in der CDU?

Gerd Langguth: Nach Friedrich Merz zieht eine weitere profilierte Flügelperson der Union von dannen.

GA: Gibt sich damit ein weiterer Konkurrent der Vorsitzenden Angela Merkel geschlagen, der eigentlich selbst Ambitionen auf Höheres in der Partei hatte?

Langguth: Sicher, auch Merkels Kritiker wissen, dass sie als dominierende Führungsfigur noch eine Weile im Amt sein wird. Aber bei Kochs Entscheidung spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Nach den beiden schwierigen Landtagswahlen 2008 und 2009 kann Koch nicht mehr ohne weiteres mit einer Wiederwahl rechnen. Er wollte freiwillig gehen und nicht erst nach einem Wählervotum. Diese Einsicht ist bei einem Politiker ungewöhnlich.

GA: Wird es für Frau Merkel schwerer, die konservativen Wähler an die CDU zu binden?

Langguth: Ja, weil er zum konservativen Flügel gezählt wurde. Aber Koch war immer auch ein Wirtschaftsliberaler und sogar ein treuer Verbündeter Merkels. Denn nachdem sie seine personellen Wünsche erfüllt hatte - siehe Franz Josef Jung, siehe Kristina Schröder -, hat er sie in allen fundamentalen Fragen unterstützt. Das wird ihr nun fehlen. Der Nachfolger muss sich erst einmal selbstständig profilieren.

GA: Wie beurteilen Sie Kochs jüngste Einlassungen zum Sparen?

Langguth: Koch ging es immer um Inhalte, er sieht die Länder im Schwitzkasten des Bundes und wollte von sich noch einmal das Bild des Ordnungspolitikers unterstreichen.

GA: Könnte Kochs Rolle in der Bundespartei Stefan Mappus aus Baden-Württemberg ausfüllen?

Langguth: Ich sehe ihn noch nicht in den Fußstapfen von Koch. Mappus muss erst mal im nächsten Jahr gewählt werden. Er wird noch lernen, dass Fundamentalopposition zur Kanzlerin letztlich ihm selber bei dieser Wahl schadet. Denn die Kritik an der CDU-Vorsitzenden fällt immer auf die ganze Partei zurück, weil die Bevölkerung nicht wahrnimmt, von wem die Schelte kommt.

GA: Könnte der Rücktritt Kochs die CDU zerreißen?

Langguth: Nein, dazu ist die CDU viel zu konsistent. Aber die Stimme Kochs wird in der Partei fehlen, auch wenn sich viele über ihn aufgeregt haben.