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aus: Express, Köln, 7. August 2006
Merkel-Biograf im EXPRESS-Interview Absturz persönliche Warnung der Wähler Herr Professor Langguth, Kanzlerin Merkel hatte Anfang 2006 noch Zustimmungswerte von 85%, übertraf damit ihre Vorgänger Kohl und Schröder. Jetzt finden nur noch 56% der Bürger ihre Politik gut. Woran liegt das? Langguth: Frau Merkel hatte enorm hohe Zustimmungswerte. Das hing auch mit einem Überraschungseffekt zusammen. Es war zu erwarten, dass sich die Sympathiewerte mit dem Regierungsalltag ändern werden. Dieser Absturz ist aber eine persönliche Warnung der Wähler an Frau Merkel. Was macht sie falsch? Der Spagat, einerseits die Unions-Stammwähler zu berücksichtigen, andererseits die Wechselwähler zu überzeugen, ist bislang nicht gelungen. Merkels starke Kompromissbereitschaft hat die Kontur der neuen Regierung in zentralen Fragen unklar gelassen. Die Arbeit der großen Koalition insgesamt wird laut ARD von 77% negativ bewertet und damit schlechter, als die von Rot-Grün kurz vor der Abwahl. Das Ansehen der großen Koalition ist eng verbunden mit dem Ansehen der Bundeskanzlerin. Mit ihrem Image steht und fällt das der großen Koalition, damit übrigens auch das Ansehen der SPD. (Die Menschen haben weniger Vertrauen in Angela Merkel, also schwindet auch das Vertrauen in die Bundesregierung.) Der Bürger hat nicht den Eindruck, dass die Reformen kraftvoll und wirksam angegangen werden. Stattdessen empfinden viele die notwendigen Einschnitte vor allem als ungerecht. Da ist es wohl kein Zufall, dass NRW-Ministerpräsident Rüttgers ausgerechnet jetzt Kritik an Merkel übt und eine stärker sozial ausgerichtete Politik fordert? Dass Jürgen Rüttgers gerade jetzt von Frankreich aus lautstark zur Attacke gegen die Kanzlerin und ihre Politik bläst, dürfte Merkel besonders schmerzen. Rüttgers Zwischenruf zeigt aber vor allem eines: Seine Verärgerung darüber, dass kein Parteikollege aus NRW Minister an Merkels Kabinettstisch wurde. Auch er weiß, dass die harten Reformen sein müssen. Wird Merkel das Ruder herumdrehen können? Der Knackpunk ist, ob aus dem momentan schlechten Image ein Trend wird. Das Gezerre um die Gesundheitsreform wirkte abstoßend auf die Bürger. Wenn Merkel mit ihrer Politik der ‚kleinen‘ Schritte wirklich für die Schaffung von Rahmenbedingungen für neue Arbeitsplätze sorgen sollte, wird sich ihr Image wieder so sehr bessern, dass die CDU von ihrem Kanzlerinnen-Bonus profitiert. Interview: Solveig Giesecke | |||||||||||||||||||||||||||||