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Express Köln, 10. April 2010
Merkel: Die Mutti der CDU wird heute 10 Berlin – Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Heute ist Angela Merkel (55) genau zehn Jahre als CDU-Vorsitzende im Amt. Bei ihrer Wahl am 10. April 2000 sagte sie: „Ich danke für die Unterstützung. Und ich hoffe, sie hält eine Weile an.“ Damals galt Kohls „Mädchen“ als Verlegenheitslösung. Heute ist sie Kanzlerin. Und „Mutti“, wie sie genannt wird, hat ihre Partei fest im Griff. Ihre einstigen Konkurrenten sind entmachtet. Doch sie hat auch Schwächen gezeigt. Merkel-Biograph Gerd Langguth zieht Bilanz. Kanzlerinnen-Biograph Gerd Langguth zieht im EXPRESS Bilanz Von GERD LANGGUTH Wie ist die Bilanz Angela Merkels, die in der amerikanischen Zeitschrift „Forbes“ als „mächtigste Frau der Welt“ bezeichnet wird, als Parteivorsitzende? Zehn Jahre führt sie jetzt die CDU – mit einem durchwachsenen Ergebnis. Ihr bleibender Verdienst wird sein, dass sie vor zehn Jahren die CDU aus der tiefsten Krise ihrer Geschichte geführt hat. Sie nutzte den von Helmut Kohl verursachten Spendenskandal, um sich an die Spitze der CDU zu hieven, um die Partei wieder wählbar zu machen. Aber wirklich geliebt war Merkel in ihrer Partei nie, nur respektiert. Lange Zeit traute man ihr die Kanzlerschaft nicht zu, sie schien eine Verlegenheitslösung. Zu den Verdiensten Merkels gehört, dass sie ihre Partei für neue Wählerschichten öffnete. Gleichwohl auf leisen Sohlen hat sie der Union einen Modernisierungsschub verpasst, so in der Familienpolitik (etwa Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen). In so grundsätzlichen Themen wie der Stammzellenfrage legte sie sich mit der Katholischen Kirche an. Sie hat Deutschland zwar nicht zu einem Einwanderungsland, aber immerhin zu einem Integrationsland erklärt. Doch sie lässt die Fähigkeit vermissen, sich genügend um die Konservativen in der eigenen Partei zu kümmern – und sie hat Friedrich Merz, eine rhetorische wie politische Ausnahmeerscheinung in ihrer Partei, ziehen lassen, statt ihn in die Politik einzubinden. Merkel macht zu wenig klar, was heute eigentlich noch der Markenkern des Christlich-Demokratischen ist – überhaupt tut sie sich mit jedem politisch-philosophischen Überbau ihrer Politik schwer. Man merkt ihr die Nüchternheit einer äußerst fleißigen Physikerin an, von der wenig Emotionales ausgeht. Die Partei ist nicht nur überaltert, die Parteitage sind zu Ritualen erstarrt, die Verankerung der CDU lässt nach, weil immer weniger junge Mitglieder nachkommen. Merkel muss regieren – aber sich auch mehr um das Profil ihrer Partei kümmern. Ein Kanzlerwahlverein ist für die Menschen uninteressant | |||||||||||||||||||||||||||||