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Donaukurier,  4. November 2010

"Den Mythos wiederbeleben"

Ingolstadt (DK) Frauenquote – die CSU kämpft um ein modernes Erscheinungsbild. Mit dem Politikwissenschaftler Gerd Langguth sprach unser Redakteur Til Huber über die einstige Identität zwischen CSU und Bayern, über Träume von der absoluten Mehrheit und über den Hoffnungsträger Karl-Theodor zu Guttenberg.

Herr Langguth, die CSU hat sich auf ihrem Parteitag eine Frauenquote verordnet und will auch eine Internetpartei gründen und Mitglieder mehr einbinden. Ist die CSU jetzt modern?

Gerd Langguth: Die Frauenquote ist vor allem ein symbolischer Akt nach außen, der zeigen soll, dass man sich erneuern will. Die CSU ist aber insofern eine moderne Partei, als sie bisher eine echte Volkspartei ist.

Volksparteien modern? Die Wähler sehen das anders. Bei der CSU wurde das durch den Verlust der absoluten Mehrheit besonders deutlich.

Langguth: Ja, die Volksparteien haben Probleme. Aber sie waren das herausragende Merkmal der politischen Stabilität in der Bundesrepublik Deutschland. Je mehr Parteien wir im Bundestag oder im Bayerischen Landtag haben, umso schwieriger wird die Mehrheitsbildung und die politische Führung eines Landes. Insofern ist es richtig und "modern", wenn die Volksparteien um ihr Überleben kämpfen.

Wie wird die CSU zur Zeit von außen wahrgenommen?

Langguth: Die CSU ist immer noch etwas Besonderes, weil sie noch immer über eine erhebliche Stärke verfügt. Andererseits kann sie auch nur etwas Besonderes sein, wenn Bayern und CSU identisch sind. Das ist weitgehend verloren gegangen, wie auch das spezifische Selbstbewusstsein der CSU. Sie wird nun im Normalmaß gesehen, auch weil ein Horst Seehofer längst nicht über das Charisma eines Franz Josef Strauß verfügt.

Muss die CSU ihr Heil in dieser Rückbesinnung auf das Konservative suchen?

Langguth: Sie braucht auf jeden Fall Positionen, die sie innerhalb, aber auch außerhalb Bayerns vermitteln kann. Ein CSU-Politiker darf aber nicht zu sprunghaft sein, muss für Verlässlichkeit stehen. Das ist bei Seehofer zum Teil doch sehr problematisch: Nachdem man sich auf Bundesebene etwa auf die Rente mit 67 geeinigt hat, schert er aus.

Braucht die CSU nicht solche Sonderwege auf Bundesebene, um ihre eigene Identität herauszustellen?

Langguth: Das war sicher immer wieder der Profilierung gegenüber der Schwesterpartei CDU geschuldet. Andererseits muss man sehen: Wenn Profilierung dem Wähler gegenüber als reine Taktik erscheint, bleibt sie wirkungslos.

Die CSU träumt immer noch von der absoluten Mehrheit in Bayern. Ist das noch realistisch?

Langguth: Im Moment ist das sicherlich unrealistisch. Aber es muss Aufgabe der CSU sein, daran zu arbeiten. Vielleicht ist das auch unter einer anderen personellen Konstellation durchaus drin. Seehofer ist es zumindest bisher nicht gelungen, den Mythos Bayern ist gleich CSU wiederzubeleben.

Sie spielen auf die Diskussion über Verteidigungsminister Guttenberg als möglichen Nachfolger an.

Langguth: Ja. Im Moment ist die Diskussion sicherlich auch für zu Guttenberg zu früh. Aber es ist schon erstaunlich, welche Wirkung ein Mann wie er ausstrahlt. Er erscheint als eine unabhängige Persönlichkeit, die eine eigene Meinung vertritt und sich abhebt von den normalen Parteipolitikern. Er scheut sich nicht vor kritischen Aussagen. Zum Beispiel, dass sich die Bundeswehr in Afghanistan in einem kriegsähnlichen Zustand befindet. Es gibt eine Sehnsucht nach dem Typ zu Guttenberg.