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Deutscher Depeschen Dienst (ddp), 25. Mai 2010, 17.56.o1 UhrParteien/CDU/Koch/Langguth/INT/WOR/(ddp-Wortlautinterview) "Eine unfreiwillig freiwillige Entscheidung" - CDU-Experte Gerd Langguth über Roland Kochs Rückzug aus der Politk Berlin (ddp). Der Politologie und Merkel-Biograph Gerd Langguth gilt als Kenner der CDU. Im Interview mit der Nachrichtenagentur ddp spricht Langguth über die Beweggründe des Rückzugs von Hessens Ministerpräsident Roland Koch und die Folgen für die CDU: ddp: Seit seiner Wiederwahl schien Roland Koch wieder fest im Sattel zu sitzen. Was könnte ihn dennoch zum Rückzug bewogen haben? Langguth: Ich glaube, es war eine unfreiwillig freiwillige Entscheidung. Freiwillig, weil er den Zeitpunkt selbst gewählt hat. Unfreiwillig, weil ihm das Risiko einer Niederlage bei der nächsten Landtagswahl nach seiner Hängepartie als geschäftsführender Ministerpräsident zu groß war. Koch ist jetzt an einem Punkt, an dem er, ähnlich wie Gerhard Schröder, noch einmal eine neue berufliche Perspektive finden kann. Außerdem hat er das Schicksal Helmut Kohls erlebt, der ja bis zur letzten Sekunde im Amt sein wollte. Koch schätzt Kohl sehr und hat deshalb wohl auch aus dessen Fehlern gelernt. ddp: Kann die Kanzlerin jetzt mit weniger Gegenwind aus den Ländern rechnen? Langguth: Entgegen dem Image, das Roland Koch anhaftet, war er, seit Angela Merkel Kanzlerin ist, immer ausgesprochen loyal gegenüber der Parteivorsitzenden. Die öffentlich vorgetragenen Sparvorschläge der letzten Wochen waren die absolute Ausnahme. Für Merkel wird es ohne die Integrationsfigur des konservativen Parteiflügels nicht unbedingt leichter. ddp: Kann nicht der neue baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus jetzt diese Rolle einnehmen? Langguth: Nein, dazu fehlt ihm noch die Erfahrung und das nötige Profil. ddp: Wer ist jetzt der stärkste CDU-Landesfürst? Langguth: Zweifelsohne ist das nun Christian Wulff. Mit Gegenwind aus Niedersachsen ist aber im Moment nicht zu rechnen. Alle Ministerpräsidenten wissen, dass sie bei Differenzen mit Merkel den Kürzeren ziehen. ddp: Wird dann die CDU nun eine Ja-Sager-Partei von Merkels Gnaden? Langguth: Eine Ja-Sager-Partei wird sie wohl nicht. Die CDU ist aber immer eine Partei gewesen, die loyal zur Führung war, so lange die Spitze gute Wahlergebnisse eingefahren hat. ddp: Wer wird jetzt auf den stellvertretenden Bundesvorsitz der Partei nachrücken? Langguth: Es ist zu noch zu früh, hier eine endgültige Prognose abzugeben. Wenn die Hessen diesen Platz für sich beanspruchen, was noch nicht sicher ist, könnte Kristina Schröder in das Amt rutschen. Wahrscheinlicher ist aber, dass Stefan Mappus nachrückt, da im Frühjahr Wahlen in Baden-Württemberg anstehen. Ein hohes Parteiamt würde auch in Stuttgart sein Prestige erhöhen. Ganz sicher kann man sich heute aber noch nicht sein. ddp: Verabschiedet sich die CDU nun von konservativen Werten und rückt noch weiter nach links? Langguth: Nein, die CDU wird auch eine konservative Partei bleiben. Ihr gehen aber immer mehr konservative Bannerträger verloren. ddp: Volker Bouffier wird als heißester Anwärter auf die Koch-Nachfolge gehandelt. Würde er sich ähnlich stark in die Bundespolitik einmischen? Langguth: Ich vermute, dass er das versucht, da er ja aus ähnlichem Holz wie Roland Koch geschnitzt ist. Sie waren ja so etwas wie politische Zwillinge. Wir müssen aber abwarten, ob tatsächlich Bouffier die Koch-Nachfolge antritt. Bouffier ist bedeutend älter als Koch. Voraussichtlich würde er mit 63 Jahren in den Wahlkampf ziehen. Der Mann ist ja nicht mehr der Jüngste. ddp: Ist mit Roland Koch auch der sogenannte "Anden-Pakt" Geschichte? Langguth: Seit seine Existenz bekannt wurde, hat der Andenpakt ohnehin massiv an Bedeutung verloren. Ihm gehörten ja viele Politiker an, die eigentlich Konkurrenten waren. Die Bedeutung dieses Paktes wird allgemein überschätzt.
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