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aus: Der Westen, Interview, 19. Mai 2011
„Populismus ist untypisch für Merkel“
Von Achim Beer
Essen. Mit ihrer Kritik an Renten und Urlauben der Südeuropäer schlägt die Kanzlerin ungewohnte Töne an – findet Merkel-Biograf Gerd Langguth. Ihre Begeisterung für Europa habe fühlbar nachgelassen.
Der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth (65) hat die Standard-Biografie über Angela Merkel geschrieben. Er kennt die Kanzlerin wohl wie kein zweiter Politologe.
Professor Langguth, ist die Kanzlerin jetzt plötzlich unter die Populisten gegangen?
Langguth: Einige Sätze, die Merkel da in Meschede gesagt hat, sind in der Tat hart und haben eine populistische Note.
Aber?
Dahinter steht die Forderung, dass es in der Europäischen Union Konvergenz geben muss, also eine stärkere Angleichung der Wirtschaftssysteme. Diese Forderung nach Konvergenz ist richtig, aber sie ist kompliziert. Also muss sie übersetzt werden.
Sie kann Stimmungen in der Bevölkerung gut erkennen
Eigentlich kennen wir solche Töne von Merkel gar nicht, oder?
Ja, solche Formulierungen sind untypisch für sie. Aber das Feuer für die europäische Idee hat nachgelassen, auch bei Merkel. Sie ist eine Politikerin, die Stimmungen in der Bevölkerung gut erkennen kann. Und die Bevölkerung ist zum großen Teil euroskeptisch geworden.
Schadet Merkel mit ihren Äußerungen nicht den Regierungen in Südeuropa, die es schon schwer genug haben, die Sparmaßnahmen durchzusetzen?
Das ist nicht gesagt. Es hat ja ein gewisses Gewicht, wenn Deutschland so etwas fordert, und Deutschland steht auch nicht alleine damit. In der Frage der Konvergenz gibt es derzeit einen regelrechten Kampf der nördlichen Länder gegen die südlichen.
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