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aus: ABENDZEITUNG, München, 23. Mai 2008 Ein gewagtes Harakiri-Spiel Der Köhler-Biograf über die Motive des Präsidenmten und die Chancen Schwans
De AZ hat mit Gerd Langguth über die schwierige Ausgangslage vor der Bundespräsidenten-Wahl gesprochen. AZ: Herr Professor Langguth, warum hat Horst Köhler gerade jetzt erklärt, dass er noch einmal antreten will? GERD LANGGUTH: Weil er zuvor erklärt hatte, dass er sich ein Jahr vor der Bundesversammlung zur Wahl des Präsidenten erklären will. Es wurde also allerhöchste Zeit. Warum macht er weiter? Er liebt das Amt, in dem er ist. Er ist ein patriotischer Mann und geht in voller Hingabe in diesem Amt auf. Was wird die SPD jetzt tun? Ich bin mir nicht sicher, ob Gesine Schwan tatsächlich nominiert wird, da sich die SPD wenige Monate vor der Bundestagswahl eine mögliche Niederlage schwer leisten kann. Welche Vorteile hätte die SPD von der eigenen Kandidatin? 2004 hat sie den Präsidentenwahlkampf sehr geschickt geführt: sehr beredt, sehr offensiv. Sie beherrscht den politischen Diskurs. Gibt es auch Nachteile? Sie hätte nur Erfolgschancen, wenn sie sich von der Linkspartei mitwählen lassen würde. Damit wäre die Auseinandersetzung im Bundestagswahlkampf programmiert. Dazu kommt: Ein zwölfmonatiger Kandidaten-Status würde sie fast zu so was wie einer heimlichen SPD-Vorsitzenden machen. Sie würde den politischen Diskurs beherrschen. Was passiert, wenn es zur Kampfkandidatur kommt? Im dritten Wahlgang hat derjenige gewonnen, der die einfache Mehrheit hat. Selbst wenn in Bayern die Landtagswahlen für die Unions-Seite ungünstig ausgehen, haben FDP und Union zusammen deutlich mehr Stimmen als die SPD. Dann kommt es auf die Grünen, die Linkspartei – aber auch auf die Rechtsradikalen an. Für die SPD ist ein solches Harakiri-Spiel ziemlich gewagt. Wer Bundestagswahlen gewinnen will, muss erst einen Bundespräsidenten installieren. Stimmt das? Ja. Wenn die Sache mit dem Bundespräsidenten schief geht, wäre das für Kurt Beck ein Desaster. Wer wird Bundespräsident oder Bundespräsidentin? Köhler wird’s. Er hat die klaren Startvorteile – auch weil er im Volk so beliebt ist. | |||||||||||||||||||||||||||||