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aus: www.anne-will.de, 23. März 2009"Merkel hat die konservative Seele nur teilweise angerührt"Sendung vom 22.03.2009, 21.45 UhrNach der Sendung haben wir den Merkel Biografen Prof. Dr. Gerd Langguth um eine Einschätzung gebeten: Nachdem viele Koalitionäre am Wochenende einen scharfen Ton angeschlagen haben - hat die Kanzlerin in der Sendung ANNE WILL nun ihrerseits den Wahlkampf eröffnet? Langguth: Nein, eigentlich nicht. Faktisch wird zwar schon seit Beginn der Großen Koalition Wahlkampf gemacht: Jede Koalitionspartei will sich seit langem möglichst gut in Stellung bringen. Die Amtsinhaberin Angela Merkel wird aber ihren Bonus als Kanzlerin nur dann wahren können, wenn sie sich nicht zu sehr zu frühzeitigen Wahlkampfaussagen provozieren lässt. Das hat man in der Sendung deutlich gemerkt. Hätte sie das Interview zu einem Großangriff etwa auf Steinmeier genutzt, wäre sie in eine von den SPD-Parteistrategen gebaute Falle gelaufen. Angela Merkel ist die Regierungschefin. Von ihr wird Führung verlangt. Ist die Kanzlerin dieser Rolle bei ANNE WILL gerecht geworden? Langguth: Anne Wills Hinweis in der Sendung, die Kanzlerin sei "beliebt, aber politisch unkenntlich", schien Merkel sichtbar zu schmerzen. Wie man auch immer zu Merkels politischen Überzeugungen stehen mag: Sie hat im Interview ihre Detailkenntnis der Politik auszuspielen gewusst. Auf die Frage, womit sie eine zweite Chance verdient hat, antwortete Merkel zwar wortreich, hat aber auch hier die Gelegenheit nicht genutzt, sich inhaltlich vom sozialdemokratischen Regierungspartner abzusetzen. Ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition hat Merkel in der Sendung als "absurd" bezeichnet. Ist es das? Langguth: Ja. Wer die Koalition als Erster bricht, verliert die Wahl. Die Menschen wollen, dass sich die Große Koalition in Zeiten der größten wirtschaftlichen Krise bewährt. Neuwahlen, wie sie Guido Westerwelle vorschlägt, mögen in einigen Bevölkerungskreisen zwar populär sein; sie scheitern aber allein an den staatsrechtlichen Rahmenbedingungen des Grundgesetzes: Neuwahlen sind sehr erschwert, das Finden einer anderen Koalition ebenso. Wie, glauben Sie, ist der Fernseh-Auftritt der Kanzlerin in ihren eigenen Reihen angekommen – vor allem in den konservativen CDU-Kreisen? Langguth: Merkel hat versucht, die konservative Seele ihrer Partei anzurühren. Das dürfte ihr teilweise gelungen sein – aber nur teilweise. Deshalb, weil Merkels Stärke eben nicht in der Deutung der deutschen und internationalen Geschichte liegt. Das aber wollen die Konservativen in der CDU. Sie merken, dass Merkel nur eine gelernte Christdemokratin ist, eine Spätankommerin in ihrer Partei. Vom Typ her ist sie eher eine unideologische Problemlöserin. Die Konservativen in Merkels Partei sind hin und hergerissen. Einerseits hadern sie mit Merkel, weil sie ihnen zu links erscheint; andererseits sind sie aber such stolz, wenn die Kanzlerin insgesamt eine gute Figur, auch international, abgibt. Inhaltlich ist sie jedoch in der Sendung von ihren eigenen Positionen, zum Beispiel in der Papst-Frage, keinen Millimeter zurückgewichen. In Sachen Opel hat sie sich sogar von ihrem eher „konservativem“ Innenminister Schäuble distanziert, der den Gedanken der Insolvenz äußerte – und dies ohne Ressortzuständigkeit! | |||||||||||||||||||||||||||||