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aus: Offenbach Post (HNA - Hessische Allgemeine), 25. März 2009(Hinweis: Dieses Interview erschien leicht gekürzt unter dem Titel "Köhler zeigte eine Demutsgeste" am 25. März 2009 auch im Münchner Merkur)
Bereitschaft zur SelbstkritikErstmals hat Horst Köhler das eigene Scheitern eingeräumt und sich damit auch geschickt vor künftiger Kritik geschützt, sagt der Politologe Prof. Gerd Langguth im Interview mit unserer Korrespondentin Ines Pohl.
Wie hat sich Horst Köhler geschlagen? Er hat eine gute Rede gehalten. Man merkte, dass ihm das
Thema sehr nahe liegt, auch durch seine berufliche Laufbahn. Er hat ja in
Washington beim Internationalen Währungsfonds gearbeitet, vorher bei der
Osteuropabank, war Chef des Sparkassen- Köhler hat erstmals auch sein eigenes Scheitern eingeräumt. Ist das eine bloße Demutsgeste im Wahlkampf oder ein ehrliches Eingeständnis? Beides. Er muss natürlich damit rechnen, dass man ihm auch
vorhalten könnte, dass er auch selber die Zeichen der Zeit zu spät erkannt hat,
zum Beispiel als Chef des Sparkassen- Hat er Sie damit überzeugt? Er hat mich zumindest davon überzeugt, dass er bereit ist, über seine eigene Rolle selbstkritisch nachzudenken. Hat er dadurch seine Angriffsfläche gegenüber der SPD und deren Kandidatin Gesine Schwan verringert? Bisher hat die Frage seiner beruflichen Laufbahn in seiner eher indirekten Auseinandersetzung mit Gesine Schwan keine Rolle gespielt, zumal es nicht sicher ist, welche Chance Gesine Schwan überhaupt hat. Außerdem macht die SPD ja auch offiziell keinen Wahlkampf gegen das amtierende Staatsoberhaupt, das mit großer Wahrscheinlichkeit wiedergewählt wird. War es eine Wahlkampfrede? Indirekt ja, wegen der Terminierung. Er hielt im Juni letzten Jahres seine vorletzte „Berliner Rede“. Es fiel zunächst auf, wie viel Prominenz da war, die natürlich sehr genau darauf geachtet hat, ob und wie viel Wahlkampf in der Rede steckte. Ich glaube aber, dass Köhler diesen Spagat bravourös gemeistert hat. Hätte er die Politik deutlicher zur Räson rufen müssen? Es ist immer eine Gratwanderung, die ein Bundespräsident hier macht. Er hat ja gesagt, dass es keine Beurlaubung von der Regierungsverantwortung geben darf. Das ist schon ein indirekter Hinweis. Aber er hat sich diesmal pflichtgemäß aus den aktuellen Kontroversen herausgehalten. Genauso hat er auch zum Thema Opel letztlich nur sehr allgemein auf die Kompetenz der Ingenieure hingewiesen. Muss er sich vorwerfen lassen, dass er in einer sehr pastoralen Art und Weise alles angesprochen, aber nichts gesagt hat? So weit kann man nicht gehen. Er hat viele Dinge gesagt, die zwar meist Konsens sind, seine Leistung ist es aber, dass er verschiedene Aspekte zusammengeführt hat. Er hat die Fragen einer Ordnungspolitik in der Wirtschaft genauso erwähnt wie den Umweltschutz und die Armutsbekämpfung in Afrika. In gewissem Sinne ist jeder Präsident pastoral – und diese Wirkung wurde noch dadurch verstärkt, dass er in einer Kirche gesprochen hat. Was wird denn der Kernsatz dieser Rede sein? Das ist schwer zu sagen, denn er hat viele Kernsätze gesagt. Er hat sehr deutlich darauf hingewiesen, dass sich die Arbeitslosigkeit in Deutschland wieder deutlich erhöhen wird. Aber auch hier hat er die volle Wucht der Krise nur angedeutet. Hätten Sie mehr erwartet? Nein, Köhler ist kein begnadeter Redner. Er ist zwar ungemein beliebt, aber die wirkliche Kraft des Wortes fehlt ihm - vielleicht auch deshalb, weil er ein spät berufener Politiker ist, der sich lange als hochrangiger Beamter mit politischen Fragen beschäftigte. Weil er ein anderer Politikertypus ist, ist er auch in der Bevölkerung so beliebt. Wie wird das Volk die Rede aufnehmen? Freundlich. Auch wenn er konkrete Vorschläge zur
Überwindung der internationalen Finanzkrise gemacht hat, ist doch vieles
allgemein geblieben. Er hat auf einige wichtige Prinzipien hingewiesen, dass
Deutschland z. B. nicht isoliert handeln kann, dass die Krise auch eine Chance
bietet und die Kombination der Wirtschaftspolitik mit der Umwelt-
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