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aus: Donaukurier, 20 Januar 2007

„Warten bis September wäre falsch“

Berlin/Bonn (DK) Die CSU muss die Führungsfrage rasch beantworten, meint Gerd Langguth, Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Bonn. Mit Langguth sprach unser Korrespondent Andreas Herholz.

Frage: Herr Langguth, nach dem Rückzug von Edmund Stoiber zeichnet sich ein Machtkampf um die Nachfolge im Amt des Parteichefs ab. Droht der CSU eine Zerreißprobe?

Gerd Langguth: Die CSU wird in Bayern als Staatspartei wahrgenommen. CSU und Bayern - das ist für viele eins. Dazu gehörte, dass die CSU in der Vergangenheit stets besonders diszipliniert und geschlossen war. Jetzt steht die CSU erstmals vor einer Zerreißprobe. Die Partei muss jetzt schnell ihre Führungsfrage klären. Wenn die Führungsfrage erst im September geklärt wird, könnte dies monatelanges Chaos bedeuten. Ein Warten bis September wäre falsch. Es muss einen schnellen geordneten Übergang geben. Die CSU sollte ihren Parteitag vorziehen. Es wäre besser, Edmund Stoiber würde seinen Abschied schneller nehmen. Mit seiner langen Abschiedstournee erweist Edmund Stoiber seiner Partei einen Bärendienst.

Nicht nur die Stoiber-Kritikerin Gabriele Pauli beklagt einen Mangel an innerparteilicher Demokratie…

Langguth: Mit der Nachfolge Stoiber hat jetzt ein Erneuerungsprozess in der CSU begonnen. Hier muss jetzt nachgeholt werden, was andere Parteien schon hinter sich haben. Edmund Stoiber war sicher der letzte starke politische Führer in Bayern. Eine derartige Dominanz eines einzelnen Politikers wird es in Bayern wohl kaum wieder geben.

Was bedeutet die CSU-Krise für die Machtarchitektur in Berlin?

Langguth: Angela Merkel hat jetzt einen Skalp mehr in ihrer Sammlung und einen unbequemen Führungspartner weniger Nachfolger Stoibers brauchen Zeit, um eine gewisse Autorität zu erlangen. Eine CSU-Doppelspitze wird die bayerischen Interessen nie so stark vertreten können, wie eine einzelne Person. Der CSU wird es künftig schwerer fallen, die bayerischen Interessen in Berlin durchzusetzen.

Wird die Union insgesamt unter der Krise der CSU leiden?

Langguth: Für die CSU besteht die Gefahr, dass sie nicht mehr die satten Mehrheiten der Vergangenheit erreichen kann. Das würde sich dann auch negativ auf die Ergebnisse der Union bei Bundestagswahlen auswirken. Schon bei der letzten Bundestagswahl hat die CSU nur noch 49,2 Prozent erreicht. Das war bereits ein Warnsignal.

(Gleichlautende Interviews auch in: Schweriner Volkszeitung. 20. Januar 2007 und Nord West Zeitung, 20. Januar 2007).