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Die Welt, 19. Januar 2008
 

Taschenbücher der Woche: Biografien

Angela Merkel. ++ Max Weber. ++ Peter Handke. ++ Mahatma Gandhi.

Angela Merkel.

 

Als Gerd Langguth 2005, am Vorabend zu den Wahlen, die erste Auflage seiner Angela-Merkel-Biographie vorlegte, brachten Kritiker (neben viel Lob) zwei Einwände vor: Einerseits, hieß es, verrate das Buch zu wenig über die Haltung des Autors - der jahrelang selbst CDU-Parlamentarier war - zu Angela Merkel (geboren 1954). Andererseits fragte man sich, weshalb Langguth dem ansonsten so ausnehmend gut dokumentierten Werk nur ein einziges Interview mit der Porträtierten zugrunde gelegt hatte. In dieser ergänzten Neuauflage scheint Langguth nun zu antworten. Explizit, beinahe eingeschnappt weist er im Vorwort darauf hin, dass die Selbstdarstellung von Politikern in den seltensten Fällen als Quelle tauge. In seiner Interpretation der Wahlergebnisse wird ferner deutlich: Langguth ist Merkel-Bewunderer, aber kein "Merkelianer". Er versteht sich als engagierter Experte, wie er es im neu hinzugefügten Kapitel "Wahl 2005: Union verliert, Merkel gewinnt" auch Paul Kirchhof unterstellt. Den beschreibt er euphorisch als "unbeirrbar" und "auf geistige Unabhängigkeit bedacht", als Schlüsselfigur, die freilich geendet sei als "Spielball" der machtpolitischen Kräfte, als "Mohr", nur einbezogen, um seine "Schuldigkeit zu tun". Gerd Langguth nimmt sich nicht neutral zurück, doch ist die politikwissenschaftliche Herleitung seiner Schlussfolgerungen in den zehn Kapiteln ausgesprochen sauber. Langguth verweist auf die Koinzidenz mehrerer Ereignisse - den unentschlossenen Stoiber, den schnell entschlossenen Westerwelle, den allürengeplagten Schröder - die ein politisches Fenster für Merkel aufgestoßen hatte, wo ihr eigenes (schwaches) Wahlergebnis dies wohl nicht vermocht hätte. Stringent deutet er auch die persönliche Disposition Merkels, ohne zu psychologisieren. Im Nachwort wird Merkels Politik mit zwölf mutigen, klar als Thesen gekennzeichneten Urteilen bedacht. Diese ausgewogene, höchst aktuelle politische Biografie ist unbedingt empfehlenswert.